Langsam, aber nie langweilig

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„Weiterleben“ von Patrick Charneley, erschienen im Dumont Verlag, ist ein leiser Roman über einen Menschen, der sein Leben neu ordnen muss. Auf 288 Seiten begleiten wir Jago, der nach einem vierzigminütigen Herzstillstand gesundheitlich stark eingeschränkt ist und bei seinem Onkel auf einem abgelegenen Hof in Cornwall lebt.

Jago braucht viel Ruhe, seine Gedanken lassen sich nicht mehr so leicht ordnen wie früher. Der feste Tagesablauf und die Abgeschiedenheit des Hofes geben ihm Halt. Vieles geschieht langsam. Und genau das empfand ich beim Lesen als wohltuend. Charneley nimmt sich die Zeit, Jago und seine Situation wirklich kennenzulernen. Das Buch ist langsam, aber nie langweilig.

Nach und nach treten weitere Menschen in Jagos Leben: seine frühere Freundin, ein unangenehmer Nachbar und seine Großtante. Sie bringen unterschiedliche Facetten seiner Vergangenheit und Gegenwart zum Vorschein. Dabei geht es weniger um spektakuläre Ereignisse als um die Frage, wie ein Mensch nach einem tiefen Einschnitt wieder einen Platz im eigenen Leben finden kann.

Besonders berührt hat mich die Begegnung mit seiner früheren Freundin. Die beiden hatten sich einst aus Liebe getrennt, weil Jago nach dem Tod seiner Mutter in einer schwierigen Lebenssituation war. Nun begegnen sie sich wieder. Dieses vorsichtige, behutsame erneute Kennenlernen fand ich sehr eindrücklich. Nichts wird überstürzt, beide müssen erst herausfinden, wer sie inzwischen geworden sind. Gerade diese Zurückhaltung macht die Geschichte so glaubwürdig und berührend.

Dass Patrick Charneley teilweise eigene Erfahrungen verarbeitet, ist spürbar. Vielleicht liegt darin auch die besondere Nähe, die dieser Roman entwickelt. Er erzählt nicht davon, dass nach einer Krise plötzlich alles wieder gut ist. „Weiterleben“ bedeutet hier vielmehr, mit dem, was geschehen ist, einen neuen Alltag zu finden.

Für mich ist „Weiterleben“ ein ruhiger, berührender Roman über Verlust, Veränderung und die Möglichkeit eines Neuanfangs. Ein Buch, das sich Zeit lässt – und gerade deshalb seine Wirkung entfaltet. Eine klare Leseempfehlung.
Das Cover ist wunderschön gemalt! So eines sieht man selten!