Warmherzig und bewegend
Der Debütroman "Weiterleben" des englischen Autors Patrick Charnley basiert auf seinen persönlichen Erfahrungen. Er erlitt im Februar 2021 einen 40-minütigen Herzstillstand. Dank schneller Hilfe wurde sein Leben gerettet, aufgrund eines Sauerstoffmangels kam es jedoch zu gravierenden Gehirnschädigungen, die ihn auch heute noch beeinträchtigen.
Jago Trevarno, der 20-jährige Ich-Erzähler, war 40 Minuten lang tot, sofortige Reanimation und eine darauffolgende Operation am offenen Herzen haben sein Leben gerettet. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Aufgrund von Gehirnschädigungen muss er mit vielen Einschränkungen leben. Er ist vergesslich, leidet unter dem Fatigue-Syndrom, hat Probleme mit den Augen, mit dem Lesen und Schreiben. Freude, Traurigkeit und Langeweile vermag er nicht mehr zu empfinden. Seine Mutter ist vor einem Jahr infolge einer Krebserkrankung verstorben, den Vater kennt er nicht. Daher lebt Jago seit 5 Monaten bei seinem Onkel Jacob, dem älteren Bruder seiner Mutter. Jacob ist Selbstversorger in Cornwall, er hat zwei Pferde, betreibt eine kleine Rinderfarm und baut Gemüse an. Er kümmert sich sehr liebevoll und fürsorglich um seinen Neffen. Die beiden führen ein ruhiges Leben auf Jacobs Hof, es gibt bis auf die Steckdose für die Gefriertruhe keinen Strom, Öllampen sorgen für behagliches Licht. Die Ruhe der beiden wird gestört, als Jacobs zwielichtiger Nachbar Bill Sligo ihm ein an der Küste gelegenes Grundstück abkaufen möchte und dabei auch vor kriminellen Aktionen nicht zurückschreckt ...
Die Geschichte ist in schöner Sprache sehr ruhig erzählt. Der Autor beschreibt die malerische Küstenlandschaft und das einfache, dabei aber auch harte Leben auf dem Land. Es ist ein langsames, ein achtsames Leben im Einklang mit der Natur. Wir beobachten Jagos und Jacobs Alltag mit seinen Ritualen, das Zubereiten ihrer Mahlzeiten, das sparsam eingerichtete und ordentliche Haus. Sie kümmern sich in einer friedlichen und für Jago heilsamen Atmosphäre um die Versorgung der Tiere und die Gemüsebeete. Die Erzeugnisse verkaufen sie auf dem Markt in St. Ives.
Authentisch und bildhaft skizziert der Autor seine sympathischen Figuren und lässt uns tief in Jagos Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Seine gesundheitlichen Einschränkungen und die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen beschreibt er mit sehr viel Empathie. Meine Lieblingsfigur war der geduldige und ausgeglichene Jacob, für den es selbstverständlich war, seinen Neffen bei sich aufzunehmen. Er gibt ihm Ruhe und Geborgenheit, und er achtet darauf, dass Jago sich bei der täglichen Arbeit auf dem Hof nicht überanstrengt, lange Pausen einlegt und ausreichend schläft.
Der Roman hat für mich nur eine einzige Schwäche: die Geschichte um Bill Sligo. Obwohl durchaus spannend erzählt, fand ich sie entbehrlich und hätte stattdessen lieber etwas mehr über Sophie und Jagos Mutter gelesen. Trotz dieses Kritikpunkts habe ich das Buch mit sehr viel Freude gelesen, es hat mich begeistert, gefesselt und zutiefst berührt. Es regt zum Nachdenken an über das eigene Leben, unsere Gesundheit und unseren hektischen Lebensstil.
Absolute Leseempfehlung für diese hoffnungsvolle und warmherzige Geschichte mit Tiefgang, die gänzlich ohne Sentimentalitäten auskommt und für mich bereits jetzt eines meiner diesjährigen Lesehighlights ist!
Jago Trevarno, der 20-jährige Ich-Erzähler, war 40 Minuten lang tot, sofortige Reanimation und eine darauffolgende Operation am offenen Herzen haben sein Leben gerettet. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Aufgrund von Gehirnschädigungen muss er mit vielen Einschränkungen leben. Er ist vergesslich, leidet unter dem Fatigue-Syndrom, hat Probleme mit den Augen, mit dem Lesen und Schreiben. Freude, Traurigkeit und Langeweile vermag er nicht mehr zu empfinden. Seine Mutter ist vor einem Jahr infolge einer Krebserkrankung verstorben, den Vater kennt er nicht. Daher lebt Jago seit 5 Monaten bei seinem Onkel Jacob, dem älteren Bruder seiner Mutter. Jacob ist Selbstversorger in Cornwall, er hat zwei Pferde, betreibt eine kleine Rinderfarm und baut Gemüse an. Er kümmert sich sehr liebevoll und fürsorglich um seinen Neffen. Die beiden führen ein ruhiges Leben auf Jacobs Hof, es gibt bis auf die Steckdose für die Gefriertruhe keinen Strom, Öllampen sorgen für behagliches Licht. Die Ruhe der beiden wird gestört, als Jacobs zwielichtiger Nachbar Bill Sligo ihm ein an der Küste gelegenes Grundstück abkaufen möchte und dabei auch vor kriminellen Aktionen nicht zurückschreckt ...
Die Geschichte ist in schöner Sprache sehr ruhig erzählt. Der Autor beschreibt die malerische Küstenlandschaft und das einfache, dabei aber auch harte Leben auf dem Land. Es ist ein langsames, ein achtsames Leben im Einklang mit der Natur. Wir beobachten Jagos und Jacobs Alltag mit seinen Ritualen, das Zubereiten ihrer Mahlzeiten, das sparsam eingerichtete und ordentliche Haus. Sie kümmern sich in einer friedlichen und für Jago heilsamen Atmosphäre um die Versorgung der Tiere und die Gemüsebeete. Die Erzeugnisse verkaufen sie auf dem Markt in St. Ives.
Authentisch und bildhaft skizziert der Autor seine sympathischen Figuren und lässt uns tief in Jagos Gedanken- und Gefühlswelt blicken. Seine gesundheitlichen Einschränkungen und die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen beschreibt er mit sehr viel Empathie. Meine Lieblingsfigur war der geduldige und ausgeglichene Jacob, für den es selbstverständlich war, seinen Neffen bei sich aufzunehmen. Er gibt ihm Ruhe und Geborgenheit, und er achtet darauf, dass Jago sich bei der täglichen Arbeit auf dem Hof nicht überanstrengt, lange Pausen einlegt und ausreichend schläft.
Der Roman hat für mich nur eine einzige Schwäche: die Geschichte um Bill Sligo. Obwohl durchaus spannend erzählt, fand ich sie entbehrlich und hätte stattdessen lieber etwas mehr über Sophie und Jagos Mutter gelesen. Trotz dieses Kritikpunkts habe ich das Buch mit sehr viel Freude gelesen, es hat mich begeistert, gefesselt und zutiefst berührt. Es regt zum Nachdenken an über das eigene Leben, unsere Gesundheit und unseren hektischen Lebensstil.
Absolute Leseempfehlung für diese hoffnungsvolle und warmherzige Geschichte mit Tiefgang, die gänzlich ohne Sentimentalitäten auskommt und für mich bereits jetzt eines meiner diesjährigen Lesehighlights ist!