Was, wenn das eigene Leben plötzlich langsamer wird?
Das Cover war tatsächlich das Erste, was mich angesprochen hat, weil es so ruhig und ein bisschen abgeschieden wirkt. Genau dieses Gefühl habe ich später auch auf Jacobs Hof in Cornwall wiedergefunden. Jago ist gerade einmal zwanzig und muss nach seinem Herzstillstand damit klarkommen, dass vieles, was vorher selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr funktioniert. Besonders der Gedanke, schnell überfordert zu sein und sich immer nur auf eine Sache konzentrieren zu können, hat mich beschäftigt. Ich habe beim Lesen immer wieder darüber nachgedacht, wie schwierig es sein muss, sich in diesem Alter an ein völlig anderes Leben zu gewöhnen. Gleichzeitig mochte ich, dass die Geschichte nicht nur darauf schaut, was Jago nicht mehr kann. Auf dem Hof seines Onkels übernimmt er Aufgaben und findet einen Alltag, der zu seinem eigenen Tempo passt. Die Tiere, die Natur und das Meer geben der Geschichte dabei eine ganz besondere, ruhige Stimmung. Jacob mochte ich vor allem deshalb, weil er Jago Raum lässt und für ihn da ist, ohne ihn zu drängen. Der Konflikt mit Bill Sligo bringt später mehr Unruhe in die Handlung, für mich blieb aber Jago selbst der interessanteste Teil der Geschichte. Auch an den langsamen und zurückgenommenen Schreibstil musste ich mich erst kurz gewöhnen. Danach hatte ich das Gefühl, dass genau diese Art zu erzählen zu Jagos Situation gehört. Dass Patrick Charnley selbst Ähnliches erlebt hat, hat mich zusätzlich berührt. Für mich war „Weiterleben“ trotz seines schweren Ausgangspunkts kein trauriges Buch. Ich bin eher mit einem ruhigen und hoffnungsvollen Gefühl aus der Geschichte gegangen und habe danach noch öfter über Jago nachgedacht.