Zwischen Überleben und Neubeginn - Ein berührender Roman
MEINE MEINUNG
Patrick Charneleys Debüt „Weiterleben“ ist ein berührender, warmherzig erzählter Roman über einen jungen Mann, der nach einem einschneidenden, lebensbedrohlichen Ereignis gezwungen ist,sein Leben von Grund auf neu zu ordnen. Was die Geschichte um seinen Ich-Erzähler und Helden Jago Trevarno so eindringlich und glaubwürdig macht, ist die Tatsache, dass Charnely darin seine eigenen, tief prägenden Erlebnisse verarbeitet hat.
Der Autor erlitt im Alter von 39 Jahren einen Herzstillstand und galt über vierzig Minuten als klinisch tot. Eine schwere Hirnverletzung war die Folge, von der er sich nur langsam und unter großen Anstrengungen erholte. Diese einschneidende Erfahrung lässt er sehr einfühlsam in die Handlung einfließen und erzählt offen von Verlust und Umbruch, von Herausforderungen und neuen Möglichkeiten und nicht zuletzt von der Hoffnung, dass selbst nach einem solchen Einschnitt ein völlig neues Kapitel beginnen kann.
Im Mittelunkt steht der zwanzigjährige Jago Trevarno, der nach dem tödlichen Herzstillstand und wochenlangen Klinikaufenthalten zu seinem Onkel Jacob auf einen kleinen, abgeschieden gelegenen Hof an der Küste Cornwalls zieht. Für Jago ist es allerdings keine einfache Rückkehr zur Normalität, sondern ein behutsamer Lernprozess, seine Beeinträchtigungen, die veränderte Wahrnehmung und kognitiven Defizite anunehmen.
Schon bald hat mich die außergewöhnlich dichte, entschleunigende Atmosphäre dieses Romans in ihren Bann gezogen. Diese beschauliche Geschichte wirkt fast zeitlos mit ihren opulenten Natur- und Landschaftsbeschreibungen der Küstenregion Cornwalls sowie den ausführlichen Schilderungen des idyllischen, ländlichen Lebens.
Charneley lässt sich Zeit, uns Jagos Einschränkungen eindrücklich vor Augen zu führen. Mit seinem ruhigen anschaulichen Erzählstil schildert er sehr realitätsnah, was es bedeutet, nach einer schweren Schädigung des Gehirns weiterzuleben. So kämpft Jago mit Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfungszuständen, rascher Überforderung und eingeschränktem Sichtfeld, so dass selbst einfache Tätigkeiten ihm Mühe bereiten. Ob nun beim Kühemelken, Zäunereparieren oder bei Ausritten – die alltäglichen Arbeiten auf dem Hof, der feste Tagesablauf und die schützende Abgeschiedenheit des Hofes sowie der tröstliche Rhythmus der Jahreszeiten helfen ihm, wieder Ruhe und Halt zu finden. Der achtsame Umgang mit den Tieren und die rücksichtsvolle Fürsorge durch seinen Onkel Jacob und die alte Nachbarin Granny Carne bestärken Jago zusätzlich auf seinem Weg zur mehr Normlität und Zuversicht.
Es ist überaus faszinierend, Einblicke in Jagos Innenwelt zu erhalten und mitzuerleben, wie der verunsicherte junge Mann lernt, sein neues Leben anzunehmen, indem er sich auf das Wesentliche beschränkt, im Einklang mit der Natur lebt und den Moment zu schätzen weiß. Dennoch bleiben trotz aller Fortschritte auch Rückschläge nicht aus, die Jagos äußerlich kaum erkennbaren Labilität und tiefe Verletzlichkeit offenlegen, ebenso wie den schmalen Grat zwischen Selbstständigkeit, Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit. Gekonnt macht der Autor dabei immer wieder deutlich, dass Heilung, Genesung und Krankheit keine klar voneinander getrennten Zustände sind, sondern fließend ineinander übergehen.
Geschickt hat der Autor einen weiteren Handlungsstrang eingewoben, der sich um den unsympathischen Nachbarn und Kleinkriminellen Bill Sligo rankt und für zusätzliche Dynamik und Spannung sorgt, indem er Jagos neu erworbene Fähigkeiten auf die Probe stellt. Als Sligo, der es auf Jacobs Gelände mit dem stillgelegten Minenschacht abgesehen hat, ihn mit Drohungen zum Verkauf zwingen will, beschließt Jago, auf eigene Faust seinen Onkel und ihren gemeinsamen Rückzugsort zu verteidigen und Sligos zwielichtige Machenschaften aufzudecken. Auch wenn dieser Nebenplot recht konventionell und vorhersehbar verläuft, rundet er Jagos einfühlsam erzählte Entwicklungsgeschichte doch stimmig ab.
FAZIT
Ein ruhiger Wohlfühlroman und bewegendes Debüt über körperliche Verletzlichkeit, Verlust, Fürsorge und die vorsichtige Wiederentdeckung des Lebens - warmherzig erzählt und mit wundervollen, authentischen Charakteren. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein ruhiges Tempo und leise Zwischentöne zu schätzen wissen!
Patrick Charneleys Debüt „Weiterleben“ ist ein berührender, warmherzig erzählter Roman über einen jungen Mann, der nach einem einschneidenden, lebensbedrohlichen Ereignis gezwungen ist,sein Leben von Grund auf neu zu ordnen. Was die Geschichte um seinen Ich-Erzähler und Helden Jago Trevarno so eindringlich und glaubwürdig macht, ist die Tatsache, dass Charnely darin seine eigenen, tief prägenden Erlebnisse verarbeitet hat.
Der Autor erlitt im Alter von 39 Jahren einen Herzstillstand und galt über vierzig Minuten als klinisch tot. Eine schwere Hirnverletzung war die Folge, von der er sich nur langsam und unter großen Anstrengungen erholte. Diese einschneidende Erfahrung lässt er sehr einfühlsam in die Handlung einfließen und erzählt offen von Verlust und Umbruch, von Herausforderungen und neuen Möglichkeiten und nicht zuletzt von der Hoffnung, dass selbst nach einem solchen Einschnitt ein völlig neues Kapitel beginnen kann.
Im Mittelunkt steht der zwanzigjährige Jago Trevarno, der nach dem tödlichen Herzstillstand und wochenlangen Klinikaufenthalten zu seinem Onkel Jacob auf einen kleinen, abgeschieden gelegenen Hof an der Küste Cornwalls zieht. Für Jago ist es allerdings keine einfache Rückkehr zur Normalität, sondern ein behutsamer Lernprozess, seine Beeinträchtigungen, die veränderte Wahrnehmung und kognitiven Defizite anunehmen.
Schon bald hat mich die außergewöhnlich dichte, entschleunigende Atmosphäre dieses Romans in ihren Bann gezogen. Diese beschauliche Geschichte wirkt fast zeitlos mit ihren opulenten Natur- und Landschaftsbeschreibungen der Küstenregion Cornwalls sowie den ausführlichen Schilderungen des idyllischen, ländlichen Lebens.
Charneley lässt sich Zeit, uns Jagos Einschränkungen eindrücklich vor Augen zu führen. Mit seinem ruhigen anschaulichen Erzählstil schildert er sehr realitätsnah, was es bedeutet, nach einer schweren Schädigung des Gehirns weiterzuleben. So kämpft Jago mit Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfungszuständen, rascher Überforderung und eingeschränktem Sichtfeld, so dass selbst einfache Tätigkeiten ihm Mühe bereiten. Ob nun beim Kühemelken, Zäunereparieren oder bei Ausritten – die alltäglichen Arbeiten auf dem Hof, der feste Tagesablauf und die schützende Abgeschiedenheit des Hofes sowie der tröstliche Rhythmus der Jahreszeiten helfen ihm, wieder Ruhe und Halt zu finden. Der achtsame Umgang mit den Tieren und die rücksichtsvolle Fürsorge durch seinen Onkel Jacob und die alte Nachbarin Granny Carne bestärken Jago zusätzlich auf seinem Weg zur mehr Normlität und Zuversicht.
Es ist überaus faszinierend, Einblicke in Jagos Innenwelt zu erhalten und mitzuerleben, wie der verunsicherte junge Mann lernt, sein neues Leben anzunehmen, indem er sich auf das Wesentliche beschränkt, im Einklang mit der Natur lebt und den Moment zu schätzen weiß. Dennoch bleiben trotz aller Fortschritte auch Rückschläge nicht aus, die Jagos äußerlich kaum erkennbaren Labilität und tiefe Verletzlichkeit offenlegen, ebenso wie den schmalen Grat zwischen Selbstständigkeit, Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit. Gekonnt macht der Autor dabei immer wieder deutlich, dass Heilung, Genesung und Krankheit keine klar voneinander getrennten Zustände sind, sondern fließend ineinander übergehen.
Geschickt hat der Autor einen weiteren Handlungsstrang eingewoben, der sich um den unsympathischen Nachbarn und Kleinkriminellen Bill Sligo rankt und für zusätzliche Dynamik und Spannung sorgt, indem er Jagos neu erworbene Fähigkeiten auf die Probe stellt. Als Sligo, der es auf Jacobs Gelände mit dem stillgelegten Minenschacht abgesehen hat, ihn mit Drohungen zum Verkauf zwingen will, beschließt Jago, auf eigene Faust seinen Onkel und ihren gemeinsamen Rückzugsort zu verteidigen und Sligos zwielichtige Machenschaften aufzudecken. Auch wenn dieser Nebenplot recht konventionell und vorhersehbar verläuft, rundet er Jagos einfühlsam erzählte Entwicklungsgeschichte doch stimmig ab.
FAZIT
Ein ruhiger Wohlfühlroman und bewegendes Debüt über körperliche Verletzlichkeit, Verlust, Fürsorge und die vorsichtige Wiederentdeckung des Lebens - warmherzig erzählt und mit wundervollen, authentischen Charakteren. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein ruhiges Tempo und leise Zwischentöne zu schätzen wissen!