EIn gelungener Krimi

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duckyputz Avatar

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Ein Spätsommerabend an der schwedischen Küste: Plötzlich versinkt alles in Dunkelheit. Kommissar Fabian Risk erlebt den landesweiten Stromausfall vom Segelboot aus, gemeinsam mit seiner Tochter Matilda. Zurück in Helsingborg häufen sich rätselhafte Vorfälle – seltsam agierende Zeugen, widersprüchliche Aussagen, ein Banküberfall und schließlich das Verschwinden eines Mädchens. Schritt für Schritt zeigt sich, dass zwischen dem Blackout und den einzelnen Fällen eine Verbindung bestehen könnte. Während Risk und sein Team versuchen, die Puzzleteile zusammenzufügen, spitzt sich die Lage dramatisch zu.
Stefan Ahnhem baut von Beginn an eine dichte, unterschwellige Spannung auf. Das Szenario eines großflächigen Stromausfalls wirkt beunruhigend realistisch und entfaltet gerade deshalb seine Wirkung. Die Frage, wie anfällig eine hochdigitalisierte Gesellschaft ist, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, ohne belehrend zu wirken. Vielmehr entsteht die Bedrohung aus der Konsequenz, mit der der Autor sein Gedankenspiel ausführt.
Die Figuren sind sorgfältig gezeichnet. Wer die Reihe kennt, begegnet vertrauten Charakteren mit Wiedererkennungswert; Neueinsteiger finden dennoch genügend Hintergrund, um sich zurechtzufinden. Fabian Risk erscheint als engagierter, aber auch persönlich involvierter Ermittler, was zusätzliche emotionale Spannung erzeugt. Die Nebenfiguren sind vielschichtig angelegt, manche bleiben lange rätselhaft – ein erzählerisches Mittel, das Misstrauen und Unsicherheit verstärkt.
Stilistisch überzeugt Ahnhem mit klarer, gut verständlicher Sprache. Die meist kurzen Kapitel, oft mit Cliffhanger versehen, verleihen dem über 600 Seiten starken Roman ein hohes Tempo. Trotz der Länge entsteht kaum Leerlauf, wenngleich die Vielzahl an Handlungssträngen mitunter hohe Konzentration erfordert. Einige Wendungen wirken sehr konstruiert, und nicht jede Nebenfigur erhält am Ende die gleiche Tiefe, die anfangs angedeutet wird.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre: düster, beklemmend und zugleich präzise beobachtet. Die Ermittlungen verlaufen nicht geradlinig, sondern mühsam und von Rückschlägen geprägt, was der Geschichte Glaubwürdigkeit verleiht.
„Wellengrab“ ist ein spannender, komplex angelegter Thriller, der gesellschaftliche Fragilität mit persönlichem Drama verbindet. Ein fordernder, aber lohnender siebter Band der Reihe, der auch eigenständig funktioniert.