Packend, düster, vielschichtig

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hasi_mimi Avatar

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Ich habe "Wellengrab" mit großen Erwartungen gelesen, und sie wurden größtenteils erfüllt. Stefan Ahnhem bleibt seinem Stil treu und liefert einen düsteren, vielschichtigen Kriminalroman, der mich von der ersten Seite an gepackt hat. Schon der Prolog ist intensiv, emotional aufgeladen und erzeugt eine unterschwellige Bedrohung, die sich durch den gesamten Roman zieht. Dieses Gefühl wird bereits durch das Cover sehr gut eingefangen: Die kühle, raue Küstenlandschaft, das einsam wirkende rote Haus und die dunkle Farbgebung spiegeln die Atmosphäre von Isolation, Gefahr und nordischer Kälte wider und stimmen perfekt auf die Geschichte ein.

Inhaltlich hat mich besonders gefallen, wie mehrere Handlungsstränge parallel aufgebaut werden: das Verschwinden eines Kindes, eine massive gesellschaftliche Verunsicherung durch einen großflächigen Stromausfall und ein spektakulärer Bankraub. Alles wirkt zunächst lose miteinander verbunden, fügt sich aber nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Ich mochte diese Art des Erzählens sehr, auch wenn sie zwischendurch hohe Aufmerksamkeit verlangt.

Der Spannungsaufbau ist eher langsam, dafür konstant. "Wellengrab" ist kein klassischer Action-Krimi, sondern lebt von Atmosphäre, psychologischem Druck und dem Gefühl, dass jederzeit alles eskalieren kann. Gegen Ende zieht das Tempo deutlich an, auch wenn ich mir beim Finale noch etwas mehr Konsequenz und Klarheit gewünscht hätte.