Frequenzabhängiger Widerstand
Eine Radiostimme, die für einen jungen Menschen zu einem Stück Freiheit wird – diese Idee fand ich in der Leseprobe von Wellenlänge sofort interessant. Besonders spannend ist für mich der historische Hintergrund: Felix lebt während der NS-Zeit in Aachen und hört heimlich Radio Luxemburg, obwohl das Empfangen sogenannter „Feindsender“ gefährlich ist. Dass er dabei vor allem von der Stimme der Radiosprecherin Eva fasziniert ist, gibt der Geschichte etwas sehr Persönliches. Ich finde es interessant, wie etwas eigentlich so Alltägliches wie Radiohören plötzlich zu einem Akt des Widerstands werden kann. Gleichzeitig hat mich die Figur Eva neugierig gemacht. Sie ist offenbar nicht nur irgendeine Stimme aus dem Radio, sondern selbst eine wichtige Figur der frühen Rundfunkgeschichte. Dadurch scheint der Roman zwei Perspektiven miteinander zu verbinden: das Leben der Frau hinter dem Mikrofon und das eines jungen Zuhörers, für den ihre Stimme eine ganz besondere Bedeutung bekommt. Auch das Thema Radio selbst finde ich überraschend reizvoll, weil man heute kaum noch darüber nachdenkt, welche Macht ein einzelnes Medium einmal hatte. Die Leseprobe vermittelt mir deshalb nicht nur eine historische Geschichte, sondern auch ein Gefühl dafür, wie wichtig Musik, Stimmen und Nachrichten für Menschen sein können, wenn andere Informationsquellen kontrolliert werden. Besonders gespannt bin ich darauf, wie sich die Wege von Eva und Felix entwickeln und wie aus dieser zunächst einseitigen Verbindung über das Radio eine größere Geschichte entsteht. Insgesamt wirkt Wellenlänge auf mich wie ein ruhiger, aber gleichzeitig spannender Roman, bei dem gerade die scheinbar kleinen Dinge – eine Stimme, ein Radio und ein heimliches Zuhören – eine ziemlich große Bedeutung bekommen.