Spannend
Diese Leseprobe hat mich mit ihrer ruhigen, genauen Erzählweise überzeugt. Der Wechsel zwischen 1962 und 1938 funktioniert gut, weil beide Zeitebenen über das Radio und die Stimme von Eva Seeger verbunden sind, ein kluger roter Faden, der nie aufdringlich wirkt, sondern sich organisch durch die Handlung zieht.
Besonders die Szenen an der deutsch-belgischen Grenze mit den Zollbeamten haben mich beeindruckt, wie beiläufig und dadurch umso bedrückender hier die schleichende Gewalt und Willkür des NS-Regimes eingefangen wird, etwa im Verhör wegen des verbotenen Buchs oder im Fußballkommentar über "unsere Mannschaften". Auch die stille, fast wortkarge Beziehung zwischen Felix und seinem Vater Erwin ist einfühlsam gezeichnet, ohne ins Sentimentale zu kippen, die gemeinsamen Radioabende als einziger echter Zugang zueinander sind ein schönes, glaubwürdiges Detail.
Der Besuch im Senderstudio und die Begegnung mit Eva Seeger selbst wirken fast zu idyllisch im Vergleich zur bedrückenden Grenzszene davor, was aber gerade den Kontrast zwischen der bedrohlichen Realität und dem Fluchtraum Radio deutlich macht. Etwas irritiert hat mich die Fülle an technischen Erklärungen zur Funkübertragung, die den Erzählfluss streckenweise bremsen. Insgesamt aber eine solide, atmosphärisch dichte Leseprobe, die neugierig macht, wie Felix' Weg vom Jungen im Nazi-Deutschland zum Schallplattenhändler 1962 verlaufen ist und was ihn schließlich nach Luxemburg treibt.
Besonders die Szenen an der deutsch-belgischen Grenze mit den Zollbeamten haben mich beeindruckt, wie beiläufig und dadurch umso bedrückender hier die schleichende Gewalt und Willkür des NS-Regimes eingefangen wird, etwa im Verhör wegen des verbotenen Buchs oder im Fußballkommentar über "unsere Mannschaften". Auch die stille, fast wortkarge Beziehung zwischen Felix und seinem Vater Erwin ist einfühlsam gezeichnet, ohne ins Sentimentale zu kippen, die gemeinsamen Radioabende als einziger echter Zugang zueinander sind ein schönes, glaubwürdiges Detail.
Der Besuch im Senderstudio und die Begegnung mit Eva Seeger selbst wirken fast zu idyllisch im Vergleich zur bedrückenden Grenzszene davor, was aber gerade den Kontrast zwischen der bedrohlichen Realität und dem Fluchtraum Radio deutlich macht. Etwas irritiert hat mich die Fülle an technischen Erklärungen zur Funkübertragung, die den Erzählfluss streckenweise bremsen. Insgesamt aber eine solide, atmosphärisch dichte Leseprobe, die neugierig macht, wie Felix' Weg vom Jungen im Nazi-Deutschland zum Schallplattenhändler 1962 verlaufen ist und was ihn schließlich nach Luxemburg treibt.