Die Bedeutung des Rundfunks

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buchgeflüster_95 Avatar

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Mit „Wellenlänge“ widmet sich Wolfgang Böhm einem Thema, das auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich für einen historischen Roman wirkt: dem Radio. Im Mittelpunkt stehen die Radiosprecherin Eva und der junge Felix aus Aachen. Felix wächst während der Zeit des Nationalsozialismus auf und entwickelt eine besondere Faszination für das Radio und vor allem für die Stimme Evas, die bei Radio Luxemburg moderiert. Was für ihn zunächst vor allem Unterhaltung und eine Flucht aus seinem Alltag ist, bekommt zunehmend eine ganz andere Bedeutung. Denn Radio Luxemburg gilt im nationalsozialistischen Deutschland als Feindsender, und das heimliche Hören kann gefährlich werden.

Besonders interessant fand ich, wie Böhm die Geschichte des Radios mit den persönlichen Schicksalen seiner Figuren verbindet. Radio ist hier nicht einfach nur ein technisches Medium, sondern eine Verbindung zur Außenwelt. Gerade für Felix wird die Stimme aus dem Radio zu etwas Vertrautem und Hoffnungsvollem. Gleichzeitig zeigt der Roman, welche Bedeutung freie Informationen und unterschiedliche Stimmen während der NS-Zeit hatten.

Auch Musik spielt eine wichtige Rolle. Das macht den Roman für mich besonders anschaulich, weil Musik und Radio miteinander verbunden werden und dadurch die Atmosphäre der damaligen Zeit besser greifbar wird. Hierfür hat der Autor/der Verlag eine Spotify Playlist am Ende des Buches mit passenden Stücken ergänzt (eine tolle Idee!). Die Musik hilft dem Leser, sich vor dem Einstieg in das Buch oder die einzelnen Kapitel, in die damalige Zeit zurückzuversetzen!

Der Schreibstil von Wolfgang Böhm ist insgesamt angenehm und gut zugänglich. Er schreibt klar und ohne unnötig komplizierte Sprache. Dadurch lässt sich die Geschichte flüssig lesen. Gleichzeitig gelingt es ihm, die historischen Hintergründe einzubauen, ohne dass der Roman zu einem reinen Geschichtsbuch wird. Einige Szenen und Figuren werden sehr prägnant beschrieben, wodurch sie beim Lesen schnell ein eigenes Gesicht bekommen. An manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefe bei einzelnen Figuren gewünscht. Auch einige Dialoge wirken eher zurückhaltend. Auch das Cover des Buches wirkt sehr zurückhaltend, was es im Buchhandel unter Umstände untergehen lässt.

Insgesamt verbindet „Wellenlänge“ persönliche Schicksale mit einem interessanten Stück Rundfunk- und Zeitgeschichte. Besonders gelungen finde ich die Idee, die Geschichte des Nationalsozialismus einmal aus der Perspektive eines Mediums zu betrachten, das heute selbstverständlich geworden ist. Der Roman macht deutlich, dass Radio damals weit mehr war als bloße Unterhaltung. Eine Stimme konnte Trost spenden, Informationen vermitteln und für Menschen sogar zu einem kleinen Stück Freiheit werden.