Ein Roman über Geborgenheit und Zerrissenheit - und über Radio
Inhaltlich begleitet der Roman den introvertierten Felix Trimml von seiner Kindheit im Aachen der späten 1930er-Jahre bis in die späten 1940er. Angesichts der zunehmenden äußeren Bedrohung und einem defensiven Vater sucht er inneren Halt.
Zentrales Motiv ist Radio Luxembourg und die Stimme der Sprecherin Eva Seeger, die dem Jungen in dieser schrecklichen Zeit Wärme und Geborgenheit schenkt und Ankerpunkt für den kleinen inneren Widerstand bildet.
Eingefasst wird die Geschickte in eine Rahmenhandlung in den 1960er-Jahren.
Die Grundidee überzeugt mich sehr: Das Radio ist hier nicht nur Fenster zu einer freieren oder äußeren Welt, sondern auch ein emotionaler Halt in den denkbar schwierigsten Zeiten der Deutschen Geschichte und mitunter Beziehungsvermittler, bei allen Problemen, die es zugleich mit sich bringt.
Es ist ein Blickwinkel auf die NS-Zeit, der mir so noch nicht begegnet ist. Die historische Recherche wirkt dicht und gut in Handlung übersetzt, etwa in der beklemmenden Rundfunkreportage vom deutsch-österreichischen Länderspiel 1938, in der die ideologische Überzeichnung erlebbar wird.
Stilistisch bin ich zwiegespalten: Der Roman kann hervorragend szenisch erzählen, man kann wunderbar eintauchen. Er wechselt aber immer wieder unvermittelt in zusammenfassende, erklärende Passagen, die dem Leser Deutungen servieren, die die Szene oft schon selbst geliefert hätte oder die zeigend zugänglicher wären. Amüsanter kleiner Stilbruch: Obwohl alle Figuren aus dem Rheinland, Berlin oder dem englischsprachigen Ausland stammen, trägt die Sprache immer wieder österreichisches Kolorit, vermutlich der Herkunft von Autorin und Verlag geschuldet.
Die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet: Felix Sprachlosigkeit wirkt psychologisch stimmig, Vater Erwin bleibt ambivalent zwischen Fürsorge und innerer Verstricktheit und Eva Seeger ist eine der interessantesten und auch ambivalentesten Figuren.
In meinen Augen ist es ein Roman mit einer ungewöhnlichen und klugen Perspektive auf 'kleine' Schicksale in der 'großen' Geschichte, der allerdings stilistisch noch gewonnen hätte, wäre er konsequenter im Zeigen statt im Erzählen. Von mir eine fast uneingeschränkte Leseempfehlung.
Zentrales Motiv ist Radio Luxembourg und die Stimme der Sprecherin Eva Seeger, die dem Jungen in dieser schrecklichen Zeit Wärme und Geborgenheit schenkt und Ankerpunkt für den kleinen inneren Widerstand bildet.
Eingefasst wird die Geschickte in eine Rahmenhandlung in den 1960er-Jahren.
Die Grundidee überzeugt mich sehr: Das Radio ist hier nicht nur Fenster zu einer freieren oder äußeren Welt, sondern auch ein emotionaler Halt in den denkbar schwierigsten Zeiten der Deutschen Geschichte und mitunter Beziehungsvermittler, bei allen Problemen, die es zugleich mit sich bringt.
Es ist ein Blickwinkel auf die NS-Zeit, der mir so noch nicht begegnet ist. Die historische Recherche wirkt dicht und gut in Handlung übersetzt, etwa in der beklemmenden Rundfunkreportage vom deutsch-österreichischen Länderspiel 1938, in der die ideologische Überzeichnung erlebbar wird.
Stilistisch bin ich zwiegespalten: Der Roman kann hervorragend szenisch erzählen, man kann wunderbar eintauchen. Er wechselt aber immer wieder unvermittelt in zusammenfassende, erklärende Passagen, die dem Leser Deutungen servieren, die die Szene oft schon selbst geliefert hätte oder die zeigend zugänglicher wären. Amüsanter kleiner Stilbruch: Obwohl alle Figuren aus dem Rheinland, Berlin oder dem englischsprachigen Ausland stammen, trägt die Sprache immer wieder österreichisches Kolorit, vermutlich der Herkunft von Autorin und Verlag geschuldet.
Die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet: Felix Sprachlosigkeit wirkt psychologisch stimmig, Vater Erwin bleibt ambivalent zwischen Fürsorge und innerer Verstricktheit und Eva Seeger ist eine der interessantesten und auch ambivalentesten Figuren.
In meinen Augen ist es ein Roman mit einer ungewöhnlichen und klugen Perspektive auf 'kleine' Schicksale in der 'großen' Geschichte, der allerdings stilistisch noch gewonnen hätte, wäre er konsequenter im Zeigen statt im Erzählen. Von mir eine fast uneingeschränkte Leseempfehlung.