Radio als Lebensretter

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Felix Trimmel ist bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 12 Jahre alt. Wir begleiten ihn in diesem Roman von 1938 an bis 1948 und erleben ihn dann noch einmal im Jahr 1962. Seine wichtigen Wegbegleiter, die dazu beitragen, dass Geschichte hier auf eine ganz besondere Art erlebbar wird, sind sein Vater, sein Onkel, seine Schulfreundin Anna, zwei gute Freunde Emil und Alois und vor allen Dingen die Radiomoderatorin Eva Seegers.

Zwischen Vater und Sohn, die seit dem Tod von Felix Mutter allein sind, steht viel Schweigen. Das ändert sich, als der Vater den ersten Volksempfänger kauft. Die Musiksendungen verbinden, beide drehen voller Faszination an den Knöpfen und empfangen durch seinen starken Sender auch Radio Luxembourg. Dort hat Erwin Trimmel einen Bekannten und so gelingt es Felix, das Radio und vor allem die Radiomoderatorin Eva Seegers zu besuchen, deren Sendungen und Stimme ihn besonders beeindrucken.

An Hand der beiden Leben: des jungen Felix, der in den Wirren der Nazizeit zum Mann wird und durch seine anhaltende Faszination für das Radio Zugang zu Informationen außerhalb der nationalsozialistischen Propaganda erhält, die seinen inneren Widerstand formen, und der Moderatorin Eva, die wegen der Kriegswirren Luxemburg bald verlassen und bis nach Amerika flüchten muss, um dann später doch wieder in Europa Radio zu machen und Aufklärung zu betreiben, wird hier wunderbar lebendig erzählt, wie das Radio ein Lebensretter und Teil des Widerstands war. Im jeweils passenden Moment hört Felix eine Musiksendung mit Eva und lässt sich von ihrer Stimme auf seinem Weg bestärken. Diese Zufälle wirken dabei nie kitschig. Sie sind sinnvoll eingebunden in die historischen Fakten und zugleich die Lebenswege der Protagonisten. Und so gelingt es dem Autor Wolfgang Böhm, Geschichte nahbar zu machen und dem Leser die zunehmende Gleichschaltung in Deutschland und die Fassungslosigkeit und Reaktionen aus dem Ausland darzustellen.

In den letzten Kriegstagen kommen sich Felix und Eva ungeahnt nahe. Und auch bei dem Wiedersehen mit seinem Vater wird das Radio eine wichtige Rolle spielen. Nicht zuletzt verbindet es Felix unglaublich stark mit seiner Jugendfreundin Anna, die er nach Kriegsende in den USA aufsuchen möchte. Hierin liegt eine weitere Stärke des Buches. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist bei weitem nicht alles gut. Für unsere Protagonisten stehen neue Probleme am Horizont und auch diese werden glaubhaft und mit großem Respekt erzählt oder immerhin angerissen. Die beiden Kapitel aus dem Jahr 1962 geben dem Roman einen passenden Rahmen und runden Erzähltes und Unerzähltes sehr harmonisch ab. Für mich war dieses Buch daher ein großer Lesegenuss, eine wunderbar sanft und gleichzeitig bildhaft erzählte Geschichte, die sich mit sehr vielfältigen Themen beschäftigt und das Radio und die Musik als Bindeglied zwischen Menschen dabei in den Vordergrund stellt. Von mir daher eine klare Leseempfehlung – im Grunde für jeden. Die Sprache ist leicht zugänglich und das Buch trotz der Kriegsdarstellung nie schwermütig!