Denkanstoß statt Glaubensbekenntnis

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
nadja_liest Avatar

Von

Nora Bossong beschäftigt sich in Welt mit anderen Mitteln mit einer Frage, die angesichts von Krisen, Unsicherheit und gesellschaftlicher Erschöpfung tatsächlich interessant ist: Was gibt Menschen Hoffnung und einen Sinn, wenn die Welt zunehmend aus den Fugen gerät?
Ich fand das Buch an vielen Stellen sehr anregend, gerade weil Bossong nicht einfach nur über Religion spricht, sondern auch über Zweifel, Angst, Trost, Staunen und die Frage, wie wir eigentlich mit unserer Gegenwart umgehen wollen. Ihre Gedanken sind teilweise sehr persönlich und gleichzeitig gesellschaftlich relevant.
Trotzdem konnte ich nicht allem folgen. Besonders bei der Vorstellung, Religion könne eine Art Gegenmittel für die Probleme unserer Zeit sein, bleibe ich kritisch. Für mich braucht es nicht zwingend einen religiösen Glauben, um Sinn, Hoffnung oder Orientierung zu finden. Gerade deshalb fand ich es aber interessant, mich mit dieser Perspektive auseinanderzusetzen.

Das Buch ist keine leichte Lektüre, die man einfach nebenbei wegliest. Manche Gedanken wirken etwas sprunghaft, andere bleiben dafür länger im Kopf. Ich habe das Buch nicht mit der Überzeugung beendet, dass ich nun mehr glauben möchte – aber durchaus mit einigen Fragen, über die ich weiter nachdenke. Und genau das macht für mich ein gutes Sachbuch aus.