Schon und noch nicht

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owenmeany Avatar

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In heutigen Zeiten der bedrohten Umwelt, der instabilen politischen Lage im In- und Ausland, der Überforderung durch technischen Wandel kann man durchaus die Orientierung verlieren. Stimmen werden laut, diese mit Hilfe der Religion zu suchen, auch von Kirchenfernen, wie unlängst beim Soziologen Hartmut Rosa.

Nora Bossong als engagierte Katholikin legt in diesem Buch ebenfalls ihre Position dar, die innerhalb dieser Konfession eher zum liberalen Flügel zählt. Existenzielle Themen wie Trauer, Zweifel, Angst und Sinn verdeutlicht sie durch Vergleiche und Beispiele aus dem täglichen und öffentlichen Leben. Dabei geht sie nicht absolut konform mit der Amtskirche, sondern übt Kritik auch speziell an Aussagen und Handlungen des Papsts. Theologisch fundiert mit durch das Literaturverzeichnis belegte reichem Quellenstudium nicht nur theologischer Schriften entlarvt sie rhetorisch geschickt Widersprüche anhand des eigenen Sprachgebrauchs. Eingehend lässt sie sich aus über die Rolle der Frau im Katholizismus, streitbar prangert sie den Missbrauch von Glaubensinhalten durch Mächtige an.

Ihre Kernüberzeugung beruht auf den Elementen "Staunen - Liebe - Hoffnung". Als zentrales Zitat sehe ich folgendes an: "... das Vertrauen auf eine Transzendenz, die an unserem Leiden Anteil nimmt. Eine solche transzendentale Hoffnung kann für die immanente Zuversicht, für den Mut im Hier und Jetzt sehr relevant, ja, ausschlaggebend sein." (S. 116).

Man muss eine Bereitschaft mitbringen, sich mit der Materie Religion auseinanderzusetzen und sich einlassen auf Bossongs Gedankengänge, dann wird man dieses Buch als Bereicherung ansehen können.