Wem kannst du vertrauen?
Nichts wirkt bedrohlicher als ein Alltag, der plötzlich Risse bekommt. Genau dort setzt dieser Roman an. In einer scheinbar sicheren Vorstadtexistenz verschwindet über Nacht etwas Unersetzliches und mit ihm das Vertrauen, auf dem alles aufgebaut war.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig und kontrolliert, fast zurückhaltend. Petra Johann verzichtet bewusst auf effekthascherische Gewalt oder reißerische Szenen. Stattdessen entwickelt sich die Spannung aus der Situation selbst, aus Blicken, Zweifeln und unausgesprochenen Fragen. Erzählt wird abwechselnd aus Evas Perspektive und aus der Sicht der Kriminalkommissarin Heidi Westphal. Dieser Wechsel sorgt für Nähe und Distanz zugleich. Während Eva versucht, ihre Familie zusammenzuhalten und an das zu glauben, was ihr Mann sagt, blickt die Ermittlerin nüchtern auf die Fakten. Beide Ebenen ergänzen sich gut und lassen die Geschichte glaubwürdig wirken.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Das Verschwinden der fünfzehnjährigen Sofia liegt wie ein Schatten über allem. Man spürt die Unruhe, die Angst und das langsame Zerbröckeln des bisherigen Lebens. Freundschaften geraten ins Wanken, Gewissheiten verlieren ihren Halt. Petra Johann nimmt sich Zeit für diese Entwicklungen, manchmal vielleicht etwas zu viel. Gerade im Mittelteil zieht sich die Handlung stellenweise, ohne dass die Spannung ganz abreißt. Die Suche bleibt präsent, aber das Tempo hätte hier etwas straffer sein dürfen.
Auffällig ist der starke Fokus auf die Figuren. Die Autorin interessiert sich weniger für spektakuläre Wendungen als für innere Prozesse. Eva verändert sich spürbar, ihr Blick auf ihre Ehe, auf ihre Freundin und auf sich selbst verschiebt sich mit jeder neuen Information. Auch die Ermittlerin wirkt sympathisch und menschlich, ohne zur Heldin stilisiert zu werden. Die eingeschobenen kursiven Passagen werfen zusätzliche Fragen auf und schüren kurzzeitig Unsicherheit, werden jedoch schneller aufgelöst, als man vielleicht erwartet hätte.
Die Auflösung selbst überrascht nicht vollkommen, ist aber sauber aufgebaut und nachvollziehbar. Auch wenn sich das Ende früh erahnen lässt, bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten, weil der Weg dorthin stimmig erzählt ist und emotional trägt.
Fazit:
„Wem du traust“ ist ein leiser, psychologisch geprägter Kriminalroman, der weniger durch Schockmomente als durch Atmosphäre und Figuren überzeugt. Kleine Längen im Mittelteil und eine eher vorhersehbare Auflösung trüben den Gesamteindruck kaum. Wer Spannung sucht, die aus zwischenmenschlichen Abgründen entsteht, und Geschichten über Vertrauen, Familie und Freundschaft schätzt, wird hier gut aufgehoben sein.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig und kontrolliert, fast zurückhaltend. Petra Johann verzichtet bewusst auf effekthascherische Gewalt oder reißerische Szenen. Stattdessen entwickelt sich die Spannung aus der Situation selbst, aus Blicken, Zweifeln und unausgesprochenen Fragen. Erzählt wird abwechselnd aus Evas Perspektive und aus der Sicht der Kriminalkommissarin Heidi Westphal. Dieser Wechsel sorgt für Nähe und Distanz zugleich. Während Eva versucht, ihre Familie zusammenzuhalten und an das zu glauben, was ihr Mann sagt, blickt die Ermittlerin nüchtern auf die Fakten. Beide Ebenen ergänzen sich gut und lassen die Geschichte glaubwürdig wirken.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Das Verschwinden der fünfzehnjährigen Sofia liegt wie ein Schatten über allem. Man spürt die Unruhe, die Angst und das langsame Zerbröckeln des bisherigen Lebens. Freundschaften geraten ins Wanken, Gewissheiten verlieren ihren Halt. Petra Johann nimmt sich Zeit für diese Entwicklungen, manchmal vielleicht etwas zu viel. Gerade im Mittelteil zieht sich die Handlung stellenweise, ohne dass die Spannung ganz abreißt. Die Suche bleibt präsent, aber das Tempo hätte hier etwas straffer sein dürfen.
Auffällig ist der starke Fokus auf die Figuren. Die Autorin interessiert sich weniger für spektakuläre Wendungen als für innere Prozesse. Eva verändert sich spürbar, ihr Blick auf ihre Ehe, auf ihre Freundin und auf sich selbst verschiebt sich mit jeder neuen Information. Auch die Ermittlerin wirkt sympathisch und menschlich, ohne zur Heldin stilisiert zu werden. Die eingeschobenen kursiven Passagen werfen zusätzliche Fragen auf und schüren kurzzeitig Unsicherheit, werden jedoch schneller aufgelöst, als man vielleicht erwartet hätte.
Die Auflösung selbst überrascht nicht vollkommen, ist aber sauber aufgebaut und nachvollziehbar. Auch wenn sich das Ende früh erahnen lässt, bleibt die Spannung bis zuletzt erhalten, weil der Weg dorthin stimmig erzählt ist und emotional trägt.
Fazit:
„Wem du traust“ ist ein leiser, psychologisch geprägter Kriminalroman, der weniger durch Schockmomente als durch Atmosphäre und Figuren überzeugt. Kleine Längen im Mittelteil und eine eher vorhersehbare Auflösung trüben den Gesamteindruck kaum. Wer Spannung sucht, die aus zwischenmenschlichen Abgründen entsteht, und Geschichten über Vertrauen, Familie und Freundschaft schätzt, wird hier gut aufgehoben sein.