Leise und tief berührend!

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Darum geht es:

Bo ist neunundachtzig Jahre alt und spürt, dass sich sein Leben verengt. Die Tage sind still geworden, seit seine Frau in einem Pflegeheim für Menschen mit Demenz lebt. Ihr gemeinsames Leben ist auf Erinnerungen geschrumpft. Was bleibt, ist Routine. Und sein Hund Sixten.

Als sein Sohn beginnt, ihm immer mehr Entscheidungen abzunehmen, gerät Bos fragile Ordnung ins Wanken. Plötzlich steht nicht nur seine Selbstständigkeit in Frage, sondern auch die letzte verlässliche Beziehung in seinem Alltag. In der Sorge des Sohnes liegt Fürsorge, doch Bo empfindet sie als Entmündigung. Zwischen beiden steht vieles, was nie ausgesprochen wurde.

Der drohende Verlust seines Hundes zwingt Bo, innezuhalten. Erinnerungen steigen auf. Alte Verletzungen und unausgesprochene Erwartungen drängen an die Oberfläche. Es geht um Stolz und um Liebe, um Schuld und um Versöhnung. Vor allem aber geht es um die Würde eines Menschen, der trotz seines Alters noch immer selbst über sein Leben bestimmen möchte.

Mein Leseeindruck:

Ich habe dieses Buch aufgeschlagen und war sofort in der Geschichte versunken. Schon nach wenigen Seiten war da dieses Gefühl von Nähe. Bo war mir von der ersten Minute an vertraut. Ich habe ihn tief in mein Herz geschlossen.

Die Autorin erzählt mit großer Zärtlichkeit von Veränderung und vom schmerzhaften Gefühl der Fremdbestimmung. Sie beschreibt das Altwerden ohne Beschönigung, aber mit viel Respekt. Jede Szene wirkt durchdacht. Jeder Ton sitzt. Die Traurigkeit zieht sich leise durch die Seiten, und doch ist der Text nie schwer um seiner selbst willen. Die Autorin findet eine klare, ehrliche Sprache für das, was oft unausgesprochen bleibt. Mich hat besonders berührt, wie fein die inneren Konflikte gezeichnet sind. Die Einsamkeit, die Würde, die Angst vor dem Verlust von Selbstständigkeit. All das wirkt echt und nah. Am Ende musste ich meine Tränen trocknen.

Vor dem Lesen hatte ich mir sehr gewünscht, dass dieses Buch mein Jahreshighlight wird. Ganz erreicht hat es diesen Platz für mich nicht. Und doch ist es ein grandioser Roman. Still, klug und sehr bewegend.

Mein Fazit:
4/5 ⭐️ Ein leiser, tief berührender Roman über Würde, Verlust und Liebe im Alter, der lange nachhallt.