Alltag und Erinnerungen
In dem Roman "Wenn die Kraniche nach Süden ziehen" von Lisa Ridzén geht es um den 89-jährigen Bo, der nicht mehr im Schlafzimmer seines Hauses schlafen möchte, seitdem seine an Demenz erkrankte Frau Fredrika in ein Pflegeheim gezogen ist.
Seiner Meinung nach ist ihm nur noch Sixten, sein treuer Hundefreund, geblieben, den ihm jedoch sein Sohn Hans wegnehmen möchte.
Bo richtet seine Erinnerungen und seine täglichen Gefühle direkt an Fredrika. Die Autorin verwendet hierfür das Personalpronomen Du und zeigt auf, wie wichtig Fredrika für Bo ist; so wichtig, dass er ihren getragenen Schal, der ihren Geruch trägt, in einem abschließbaren Glas aufbewahrt.
Ein zentrales Thema seiner Erinnerungen ist seine Beziehung zu seinem Vater, der ihm gegenüber kalt, distanziert und gewalttätig war. Ich denke, dass Bo aus diesem Grund versuchte, seinem Sohn Hans gegenüber liebevoller zu sein, aber durch die Erziehung des "Alten", wie er seinen Vater nennt, möchte ihm das nicht gelingen. Oft kommt Wut in seinen Gefühlen hoch, die er zu unterdrücken versucht. Die Beziehung zu Hans ist aufgrund seiner Beziehung zum Alten gestört: Bo weiß in seinem Inneren, dass er Hans liebevolle Worte sagen könnte, schafft es aber schließlich nie, sie auszusprechen.
Es ist sehr interessant und beeindruckend wie Ridzén aus der Perspektive eines 89-jährigen Mannes erzählen kann, sodass sich der Leser problemlos in seine Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen kann.
In diesem Roman gibt es nicht so viel Handlung, aber die Autorin wechselt die Handlungen im Jetzt mit Erinnerungen der Vergangenheit und den Pflegebucheinträgen ab. Dadurch kommt Abwechslung in das Geschehen rein und der Leser gewinnt einen Eindruck, wie sich Bos Alltag abspielt.
Von Tag zu Tag verschlechtert sich Bos Zustand, er schafft immer weniger Dinge allein und muss sich auf die Besuche des Pflegepersonals einlassen, die ihm das Essen erwärmen, ihn waschen und sogar mit Sixten Gassi gehen. Als Hans den Hund in eine andere Familie weggibt, geht es mit Bo weiter bergab, er hört auf zu essen, um gegen seinen Sohn zu rebellieren, weil er es nicht in Worten schafft. Die einzige Freude in seinem ruhigen Leben, wird ihm weggenommen, Bo ist nicht nur traurig, sondern wütend.
Zu keiner Zeit habe ich beim Lesen den Eindruck gehabt, dass ich nicht mitkomme oder durch den Alltag und die Erinnerungsstränge verwirrt werde. Sprachlich wird man als Leser von Ridzén gut begleitet und sie schafft es, dass man sich in Bo hineinversetzt und die Dinge aus seiner Sicht sieht.
Es ist ein stiller Roman und er verändert tatsächlich die Sicht auf das Leben bzw. auf das Alter. Ein sehr empfehlenswertes Buch!
Seiner Meinung nach ist ihm nur noch Sixten, sein treuer Hundefreund, geblieben, den ihm jedoch sein Sohn Hans wegnehmen möchte.
Bo richtet seine Erinnerungen und seine täglichen Gefühle direkt an Fredrika. Die Autorin verwendet hierfür das Personalpronomen Du und zeigt auf, wie wichtig Fredrika für Bo ist; so wichtig, dass er ihren getragenen Schal, der ihren Geruch trägt, in einem abschließbaren Glas aufbewahrt.
Ein zentrales Thema seiner Erinnerungen ist seine Beziehung zu seinem Vater, der ihm gegenüber kalt, distanziert und gewalttätig war. Ich denke, dass Bo aus diesem Grund versuchte, seinem Sohn Hans gegenüber liebevoller zu sein, aber durch die Erziehung des "Alten", wie er seinen Vater nennt, möchte ihm das nicht gelingen. Oft kommt Wut in seinen Gefühlen hoch, die er zu unterdrücken versucht. Die Beziehung zu Hans ist aufgrund seiner Beziehung zum Alten gestört: Bo weiß in seinem Inneren, dass er Hans liebevolle Worte sagen könnte, schafft es aber schließlich nie, sie auszusprechen.
Es ist sehr interessant und beeindruckend wie Ridzén aus der Perspektive eines 89-jährigen Mannes erzählen kann, sodass sich der Leser problemlos in seine Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen kann.
In diesem Roman gibt es nicht so viel Handlung, aber die Autorin wechselt die Handlungen im Jetzt mit Erinnerungen der Vergangenheit und den Pflegebucheinträgen ab. Dadurch kommt Abwechslung in das Geschehen rein und der Leser gewinnt einen Eindruck, wie sich Bos Alltag abspielt.
Von Tag zu Tag verschlechtert sich Bos Zustand, er schafft immer weniger Dinge allein und muss sich auf die Besuche des Pflegepersonals einlassen, die ihm das Essen erwärmen, ihn waschen und sogar mit Sixten Gassi gehen. Als Hans den Hund in eine andere Familie weggibt, geht es mit Bo weiter bergab, er hört auf zu essen, um gegen seinen Sohn zu rebellieren, weil er es nicht in Worten schafft. Die einzige Freude in seinem ruhigen Leben, wird ihm weggenommen, Bo ist nicht nur traurig, sondern wütend.
Zu keiner Zeit habe ich beim Lesen den Eindruck gehabt, dass ich nicht mitkomme oder durch den Alltag und die Erinnerungsstränge verwirrt werde. Sprachlich wird man als Leser von Ridzén gut begleitet und sie schafft es, dass man sich in Bo hineinversetzt und die Dinge aus seiner Sicht sieht.
Es ist ein stiller Roman und er verändert tatsächlich die Sicht auf das Leben bzw. auf das Alter. Ein sehr empfehlenswertes Buch!