Berührend bis zur letzten Seite

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sonnenblumeberlin Avatar

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Lisa Ridzén kannte ich vorher nicht – aber Titel und Cover von „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ haben mich sofort angesprochen. Und ja: Nach dem Lesen wirkt das Cover sogar noch passender, weil es die stille Nähe zwischen Bo und seinem Hund so treffend einfängt.
Im Mittelpunkt steht Bo (89), dessen Tage zu lang geworden sind, seit seine demenzkranke Frau im Heim lebt. Sein Halt ist Hund Sixten – bis sein Sohn Hans entscheidet, dass Bo ihn nicht mehr behalten darf. Von da an erzählt der Roman nicht nur vom Älterwerden, sondern auch von Würde, Verlust, Familie, Sehnsucht und den kleinen Dingen, die ein Leben zusammenhalten.
Was mich besonders getroffen hat: der ruhige, eindringliche Schreibstil, der einen ganz nah an Bos Gedanken lässt. Viele Szenen sind so ehrlich und emotional, dass ich mehr als einmal schlucken musste. Bo verliert nach und nach alles, was ihm Sicherheit gibt – und zugleich wird spürbar, wie sein Körper nachlässt und wie sehr er um Selbstbestimmung ringt. Auch die Darstellung von Freundschaft und Abschied (Tude!) hat mich tief bewegt. Ein warmes, kluges und sehr menschliches Buch, das lange nachhallt. Absolute Empfehlung.