einfühlsam und tief berührend erzählt

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katze102 Avatar

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Lisa Ridzén erzählt in ihrem Roman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ eine tiefgründige Geschichte, zu der sie wiederentdeckte Briefe und andere Unterlagen ihres verstorbenen Großvaters inspiriert haben.

Bo lebt in einem kleinen Ort, ländlich gelegen in Schweden, zusammen mit seinem geliebten Hund Sixten, der im Alltag die wichtigste Bezugs“person“ für ihn ist. Bos Frau, Frederika, lebt in einem Pflegeheim für Demenzerkrankte und ihr gemeinsamer Sohn Hans arbeitet viel, besucht Bo immer wieder und mit ihm zusammen auch Frederika. Diese Besuche mag Bo gar nicht; für ihn ist Frederika nur noch eine Hülle; sie erkennt ihn nicht mehr und hat eher etwas Angst in der ungewohnten Situation. Bo, jetzt 89 Jahre alt, vermisst Frederika sehr, hat ein Halstuch von ihr in einem Weckglas und damit auch Frederikas Duft eingefangen. Mittlerweile kann er das Glas nicht mehr öffnen, sich aber sehr wohl an vieles erinnern. Zunächst geht Bo noch mit Sixten spazieren, was ihm, ohne dass er es zugeben kann, immer schwerer fällt. Hans möchte Sixten in eine Familie vermitteln; Bo zerreist es fast das Herz. Er fühlt sich immer stärker entmündigt, lebt viel in seinen Erinnerungen, die ihn bis in seine Träume begleiten und den Leser sein Leben in einzelnen Stationen miterleben lassen, von seiner Kindheit, seinem Verhältnis zu seinen Eltern, Erlebnisse mit Frederika und Hans sowie seiner Enkelin, seiner Arbeit und über seinem besten Freund Ture. Im Verlauf wird Bo immer häufiger müde; er sagt selber: Der Schlaf nimmt mich immer bei sich auf. Da sind die Dinge noch so, wie sie sein sollten, dort habe ich immer noch ein Wort mitzureden. Jeden Tag kommt jemand vom Pflegedienst, bereitet die Mahlzeiten zu, duscht ihn, wenn er willig ist… Als Leser erlebt man das Schwinden seiner Kräfte und des Lebensmutes mit, staunt, lacht und weint mit ihm oder über seine Erinnerungen, die häufig in die Gegenwart hineinverschwimmen.

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und bietet eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema der letzten Lebensphase und des Abschiedes, mit Sorge, Fürsorge, und Möglichkeiten der würdevollen Begleitung auseinanderzusetzen, bietet viele Einblicke und Sichtweisen, die möglicherweise nicht so vertraut sind. Mich hat dieser Roman in seinen Bann gezogen, mich tief beeindruckt und tief berührt.