Es ist verflucht noch eins nicht leicht, ein Mensch zu sein!

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jessi2712 Avatar

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Soeben habe ich mit einem dicken Kloß im Hals das Buch »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« von Lisa Ridzén beendet und bin immer noch ganz verzaubert.

Worum gehts?

Bo (89) leidet. Seine Frau lebt jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Er selbst bleibt allein zurück, kommt dank täglicher Besuche vom Pflegedienst gerade eben noch so allein zurecht. Wirklich Halt gibt ihm nur sein Hund Sixten, doch nun ist sein Sohn Hans der Meinung, er könne sich nicht mehr angemessen um ihn kümmern und will ihm das Tier wegnehmen.

Wie wars?

Ein Buch, bei dem einem die Worte fehlen. Man schmunzelt, lacht und weint abwechselnd.

Bos Erinnerungen an sein bisheriges Leben, an seine gemeinsame Vergangenheit mit Friederika und an den "Alten", also seinen eigenen Vater, zum dem er ein durchaus problematisches Verhältnis hatte, sind so geschildert, dass man sich sehr gut einfühlen kann, warmherzig, oft komisch und manchmal eben auch tragisch. Auch seine enge Freundschaft mit Ture, dem Kollegen aus der Sägemühle, der ein Geheimnis mit sich herumträgt, das erst ganz gegen Ende des Buches gelüftet wird.

Beeindruckend fand ich Bos Gedanken über das Leben. So fragt er sich immer wieder, was eigentlich mit seinem Sohn los ist, der immer an der Schwelle zum Burnout steht, es immer so schrecklich eilig hat, während ihm selbst solche Probleme trotz jahrelanger Schufterei in der Sägemühle völlig fremd sind.

Auch der Umgang mit dem Thema letzte Lebensphase und unweigerlich bevorstehendes Ende ist sehr gut gelungen. Es wurde für meine Begriffe sehr deutlich, wie anders und unaufgeregt man in Schweden damit umgeht, das habe ich hier in Deutschland schon ganz anders erlebt. Sterben ist und bleibt ein ganz normaler Teil des Lebens.

Fazit:

Von mir eine unbedingte Leseempfehlung, 10 von 5 Sternen und auch die Übersetzung der Kollegin Ulla Ackermann ist prima gelungen. Man sieht (vor allem, wenn man selbst Schwedisch spricht) immer wieder die Sprache des Ausgangstextes durchblitzen, aber immer sehr gekonnt und niemals aufdringlich.