Leise, würdevoll, berührend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
schneider.alexandra@gmx.at Avatar

Von

„Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ ist ein leises, sehr berührendes Buch. Im Mittelpunkt steht Bo, ein alter Mann, der allein lebt – nur sein Hund Sixten ist noch bei ihm. Mit zunehmendem Alter wird der Alltag beschwerlicher, Erinnerungen drängen sich auf und die Frage nach Selbstbestimmung und Würde wird immer präsenter.

Das Buch lebt stark von der Nähe zur Hauptfigur. Man ist sehr dicht bei Bo, in seinen Gedanken, seinen Erinnerungen und auch in seinen Ängsten. Vieles wird nicht ausgesprochen, sondern zwischen den Zeilen erzählt. Gerade das hat für mich eine große Wirkung entfaltet. Es ist ein Buch, das man langsam liest, bei dem man innehält und vieles nachklingen lässt.

Thematisch geht es um Altern, Einsamkeit, Verlust und Abhängigkeit, aber auch um Liebe, Verantwortung und das Festhalten an dem, was einem wichtig ist.

Trotz der schweren Themen liest sich der Roman sehr flüssig. Die Sprache ist klar, ruhig und unaufgeregt, was gut zur Geschichte passt. Gerade diese Schlichtheit verstärkt die Emotionen und macht das Buch so eindringlich.

Für mich ist „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ ein Buch, das nicht laut ist, aber lange nachwirkt. Eines, das zum Nachdenken anregt und einen sensiblen Blick auf das Alter und das Abschiednehmen wirft. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, tiefgehende Geschichten mögen.