Ein übermäßig kritisch präsentiertes Historien-Sachbuch

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springtoiffel Avatar

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Gefallen hat mir auf jeden Fall, dass der Ort Sanary-sur-Mer hier von Florian Illies zum Leben erweckt wird und man auch viel über die dortigen Nachbarn und im Abschluss auch über ein Wiedertreffen in den USA erfährt; so finden bekannte Autoren wie Hermann Hesse und Aldous Huxley auch in diesem historischen Sachbuch auf den Seiten ihren Platz.
Das Buch liest sich flüssig wie ein Roman und liefert reichlich Informationen, auch mit Zitaten aus den jeweiligen Tagebüchern der Mitglieder der Familie Mann wird nicht gegeizt.
Soweit, so gut.

Kommen wir jetzt zu meiner Kritik und warum ich letztendlich dieses Buch nicht empfehlen kann.
Thomas Mann ist mein persönlicher Lieblingsautor und "Der Zauberberg" mein Lieblingsroman.
Durch die Dinge, die ich unter anderem durch Michael Maars "Geister und Kunst" über Thomas Mann und dessen Werk weiß, sowie die Eigenschaften, die man, wenn man sich intensiv mit dem OEuvre eines Autors auseinandersetzt, über selbigen durchaus herauserkennen kann (nein, man kann Werk nicht vom Schöpfer trennen; außer man liest das ausschließlich triviale, das nicht aus Leidenschaft sondern nur für die Bereicherung ins Leben gerissen wurde), kann ich die Person Thomas Mann durchaus einordnen und kann das Bild, das ich mir von ihm gemacht habe, nicht mit dem in Einklang bringen, das Florian Illies hier durchweg negativ von ihm zeichnet.
Beispiele hierfür wurden bereits in anderen Rezensionen genannt und müssen von mir nicht wiedergekäut werden - mir jedenfalls ist es beim Lesen sauer aufgestoßen, dass kein gutes Haar an dem reichhaltigsten Autor, den Deutschland je hatte, gelassen wird.
Jedes noch so kleine Detail, wie Blicke, oder unwichtige Verhaltensweisen wie das Waten im Wasser mit Gummischuhen wird negativ von Illies kommentiert - scheinbar teilt Herr Illies nicht die Leidenschaft für Thomas Mann mit mir.

Dies führt bei mir zu einer Ablehnung dieses Buches, auch wenn es pur vom Standpunkt des Informationsgewinns und der Verweise her gesehen nicht schlecht ist.
Ein teils biographisches Sachbuch sollte eine objektive Distanz zum biographierten wahren. Wenn der Autor das nicht kann, ist sein Buch leider nichts wert.