Für Fans von Thomas Mann? Wohl eher nicht.
Zuerst einmal, womit hat man es hier zu tun? Mit einem Sachbuch, das sich locker flockig wegliest wie ein Roman und einen dabei blendend unterhält. Der Inhalt beschäftigt sich nicht nur mit der gesamten Familie Mann (& Pringsheim) von Anfang Februar bis Ende September 1933, sondern nimmt uns mit in das Leben von mehreren Personen, deren Schicksale zumindest gewisse Zeit mit Familie Mann verwoben waren (wie Eva Herrmann, Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig usw.).
Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem Gefühl der Entwurzelung und dem Umgang damit, das jedes Familienmitglied erfährt und wie der/die Jeweilige damit umgeht. Dies führt letztendlich zu einem Konflikt zwischen Thomas Mann und dessen Sohn Klaus, für dessen Empfinden Thomas nicht eindeutig genug Stellung gegen das NS-Reich bezieht.
Soviel zum Inhalt. Hier jedoch mein Problem mit dem Buch: "der Ton macht die Musik".
Beim Lesen dieses Sachbuches sieht man sich immer wieder mit wertenden Kommentaren von Florian Illies konfrontiert, die im Falle Thomas Manns überwiegend deutlich negativ ausfallen, während Herr Illies an anderen Stellen beispielsweise Klaus Mann deutliche Hochachtung erweist.
Ich persönlich erwarte mir von einem Sachbuch eine gewisse Sachlichkeit - also eine distanzierte, nicht wertende Darstellung historischer Geschehnisse. Wer nicht zu dieser Distanz fähig ist, sollte meiner Ansicht nach wenigstens eine positive Verbindung mit der Hauptperson des Buches vorweisen können, eine Leidenschaft für Person und Werk vermitteln. Ansonsten frage ich mich immer: warum schreibt der Autor denn ausgerechnet über diese Person?
Florian Illies scheint mir nach Beendigung des Buches aber weder den Menschen Thomas Mann, noch dessen Schreibstil zu schätzen. Thomas Mann wird durchgängig als Tyrann, lieb- und freudlos, "zu feige" (Zitat), "Spielverderber" und von inneren Zwängen zerrissener Sonderling dargestellt. Sein Tod, mit dem das Buch dann auch schließt, war für den Sohn Golo eine Befreiung, die ihn zu künstlerischen Höhenflügen antrieb, während die fehlende liebevolle Darstellung von Michael diesen nach der Lektüre von Thomas Manns Tagebüchern in den Selbstmord getrieben haben soll. Mehr als einmal wird die in höchstem Maße poetische Schreibweise Thomas Manns belächelt, z.B. als dieser über die Entwicklung des Sommerwetters sinniert; ein Zitat aus dem Tagebuch Manns, das ich augenblicklich verstanden hatte, wird als "grammatikalisch nur schwer verständlich" abgetan, statt sich mit dem Inhalt zu beschäftigen.
Zurück zu "der Ton macht die Musik": wer Thomas Mann nicht mag, der greift auf das Zitat seiner Schwiegermutter zurück, die ihn als "Pimperling" bezeichnet, so wie Illies dies hier tut. Man könnte ihn stattdessen einfach als (übermäßig?) sensibel bezeichnen.
Wer Thomas Mann nicht mag, stellt dessen Tod als wortwörtliche Befreiung für seine erwachsenen und dem Haushalt entwachsenen Kinder dar; wer ihn mag, hätte auch schreiben können: "Nach dem Tod von Thomas Mann fand dessen Sohn Golo dennoch zu persönlichen literarischen Höchstleistungen".
Wer Thomas Mann nicht mag, bezeichnet ihn auf Grund seiner mangelnden ursprünglichen Stellungnahme als "zu feige", statt Verständnis für die prekäre Lage für jemanden zu zeigen, der kurz vor Veröffentlichung seines neuen Romans steht und sich um seinen Ruf sorgt, sowie von starkem Heimweh gequält wird.
Wer Thomas Mann nicht mag, spottet über seinen hochtrabenden, lyrischen Schreibstil, statt dass ihm die makellos verschnörkelten Sätze vor Freude am Lesen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Man sieht: wie man eine Person darstellt, dazu gibt es zwei Wege. Illies hat sich durchwegs für den Negativen entschieden. Schade.
Letztendlich bleibt das Fazit: das Buch ist gut, es unterhält wunderbar. Wer ein Fan von Thomas Mann ist, wird aber unweigerlich enttäuscht werden. So richtet sich das Buch also eher direkt an diejenigen, die mehr über die Zeit, das Exil der Manns und die Monate in Sanary wissen wollen, als diejenigen, die ein Buch voller Wertschätzung für die Person Thomas Mann und sein Werk erwarten.
Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem Gefühl der Entwurzelung und dem Umgang damit, das jedes Familienmitglied erfährt und wie der/die Jeweilige damit umgeht. Dies führt letztendlich zu einem Konflikt zwischen Thomas Mann und dessen Sohn Klaus, für dessen Empfinden Thomas nicht eindeutig genug Stellung gegen das NS-Reich bezieht.
Soviel zum Inhalt. Hier jedoch mein Problem mit dem Buch: "der Ton macht die Musik".
Beim Lesen dieses Sachbuches sieht man sich immer wieder mit wertenden Kommentaren von Florian Illies konfrontiert, die im Falle Thomas Manns überwiegend deutlich negativ ausfallen, während Herr Illies an anderen Stellen beispielsweise Klaus Mann deutliche Hochachtung erweist.
Ich persönlich erwarte mir von einem Sachbuch eine gewisse Sachlichkeit - also eine distanzierte, nicht wertende Darstellung historischer Geschehnisse. Wer nicht zu dieser Distanz fähig ist, sollte meiner Ansicht nach wenigstens eine positive Verbindung mit der Hauptperson des Buches vorweisen können, eine Leidenschaft für Person und Werk vermitteln. Ansonsten frage ich mich immer: warum schreibt der Autor denn ausgerechnet über diese Person?
Florian Illies scheint mir nach Beendigung des Buches aber weder den Menschen Thomas Mann, noch dessen Schreibstil zu schätzen. Thomas Mann wird durchgängig als Tyrann, lieb- und freudlos, "zu feige" (Zitat), "Spielverderber" und von inneren Zwängen zerrissener Sonderling dargestellt. Sein Tod, mit dem das Buch dann auch schließt, war für den Sohn Golo eine Befreiung, die ihn zu künstlerischen Höhenflügen antrieb, während die fehlende liebevolle Darstellung von Michael diesen nach der Lektüre von Thomas Manns Tagebüchern in den Selbstmord getrieben haben soll. Mehr als einmal wird die in höchstem Maße poetische Schreibweise Thomas Manns belächelt, z.B. als dieser über die Entwicklung des Sommerwetters sinniert; ein Zitat aus dem Tagebuch Manns, das ich augenblicklich verstanden hatte, wird als "grammatikalisch nur schwer verständlich" abgetan, statt sich mit dem Inhalt zu beschäftigen.
Zurück zu "der Ton macht die Musik": wer Thomas Mann nicht mag, der greift auf das Zitat seiner Schwiegermutter zurück, die ihn als "Pimperling" bezeichnet, so wie Illies dies hier tut. Man könnte ihn stattdessen einfach als (übermäßig?) sensibel bezeichnen.
Wer Thomas Mann nicht mag, stellt dessen Tod als wortwörtliche Befreiung für seine erwachsenen und dem Haushalt entwachsenen Kinder dar; wer ihn mag, hätte auch schreiben können: "Nach dem Tod von Thomas Mann fand dessen Sohn Golo dennoch zu persönlichen literarischen Höchstleistungen".
Wer Thomas Mann nicht mag, bezeichnet ihn auf Grund seiner mangelnden ursprünglichen Stellungnahme als "zu feige", statt Verständnis für die prekäre Lage für jemanden zu zeigen, der kurz vor Veröffentlichung seines neuen Romans steht und sich um seinen Ruf sorgt, sowie von starkem Heimweh gequält wird.
Wer Thomas Mann nicht mag, spottet über seinen hochtrabenden, lyrischen Schreibstil, statt dass ihm die makellos verschnörkelten Sätze vor Freude am Lesen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Man sieht: wie man eine Person darstellt, dazu gibt es zwei Wege. Illies hat sich durchwegs für den Negativen entschieden. Schade.
Letztendlich bleibt das Fazit: das Buch ist gut, es unterhält wunderbar. Wer ein Fan von Thomas Mann ist, wird aber unweigerlich enttäuscht werden. So richtet sich das Buch also eher direkt an diejenigen, die mehr über die Zeit, das Exil der Manns und die Monate in Sanary wissen wollen, als diejenigen, die ein Buch voller Wertschätzung für die Person Thomas Mann und sein Werk erwarten.