Hilflos im Paradies
Sanary-sur-Mer ist 1933 ein beschaulicher Fischerort und wird mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten der Zufluchtsort für deutsche Literaten und andere Größen der Kultur. Der französische Fischerort ist so schön wie das Paradies.
Als Thomas Mann im Frühjahr zu einer dreiwöchigen Vortrags- und Lesereise aufbricht, wird er nicht nach München zurückkommen, sondern nach einigen Zwischenstationen ebenfalls in Sanary landen. Einen heissen Sommer lang residiert er hier inmitten der Exil-Literaten.
Florian Illies gelingt auf seine ihm unnachahmliche poetische und dokumentarischen Art ein komplexes Portrait der Manns. Aus allen Blickwinkeln betrachtet er die delikaten Beziehungsgeflechte der Großfamilie um Thomas und Katia Mann, ihre sechs Kinder, sowie Heinrich und seine Freundin Nelly, um die sich in diesem Sommer noch zahlreiche weitere Bezugspersonen gruppieren.
Wenn die Sonne untergeht, dann suchen die Vertriebenen Zuflucht, einige in der malerischen Schönheit und Wärme Frankreichs, andere in Drogenexzessen, die nächsten im Schreiben. Der Text gründet auf den Tagebüchern und Memoiren aller Anwesenden und erzählt lebendig und feinfühlig von den Dramen, Sorgen, Ängsten und Nöten, den kleinen Freuden und den inneren und äußeren Fluchten.
Wir erleben gemeinsam mit dem “Zauberer” noch einmal den Sommer, in dem er ins Paradies vertrieben wurde, heimatlos, gequält, zerrissen und doch immer auf seinen Ruf und seinen Ruhm bedacht.
Wenn die Sonne untergeht ist die Geschichte von einer großen Schriftstellerfamilie, in der eine zerstörerische Dynamik an den Nerven zerrt, direkt aus München mit ins Exil gebracht und nirgendwo so plastisch greifbar wie zu den gemeinsamen Mahlzeiten.
Florian Illies nimmt die Tagebucheinträge und führt ihre Sprache fort, sodass sich die Figuren aus den Seiten erheben. Er erzählt, wie die Kinder alles dafür taten, das Vermögen und die Tagebücher des (Über-)Vaters zu retten und um seine Anerkennung ringen.
Im Wechsel zwischen Ironie, Nachdenklichkeit und der Ahnung eines drohenden Abgrunds, liegt der Reiz dieses Buches. Detailreich und ganz nah an den Figuren wählt Illies gekonnt ein kleines Zeitfenster für den Blick hinter Kulissen der Familie Mann. Neben den existenziellen Sorgen, die das Exil mit sich bringt, erhalten wir einen tiefen Einblick in die widersprüchlichen Gefühle aller, die diesen Sommer lebendig werden lassen. Thomas Mann ist der Bezugspunkt und die Reflektionsfläche, der Planet um den sie alle kreisen. Die Unsicherheit des Vaters lässt Erika und Klaus stark werden, seine mangelnde Fähigkeit, sich zum Exil zu bekennen, hält die gesamte Familie in einem Schwebezustand.
Es passiert so wenig und doch so viel. Wir tauchen ein in einen kleinen Kosmos, um knappe 300 Seiten später berührt und zahlreichen neuen Anekdoten um den großen Literaten wieder aufzutauchen. Ein großer Wurf.
Ich danke @vorablesen und dem S.Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar und habe sehr gerne den Sommer mit Familie Mann an der Côte d’Azur verbracht.
Als Thomas Mann im Frühjahr zu einer dreiwöchigen Vortrags- und Lesereise aufbricht, wird er nicht nach München zurückkommen, sondern nach einigen Zwischenstationen ebenfalls in Sanary landen. Einen heissen Sommer lang residiert er hier inmitten der Exil-Literaten.
Florian Illies gelingt auf seine ihm unnachahmliche poetische und dokumentarischen Art ein komplexes Portrait der Manns. Aus allen Blickwinkeln betrachtet er die delikaten Beziehungsgeflechte der Großfamilie um Thomas und Katia Mann, ihre sechs Kinder, sowie Heinrich und seine Freundin Nelly, um die sich in diesem Sommer noch zahlreiche weitere Bezugspersonen gruppieren.
Wenn die Sonne untergeht, dann suchen die Vertriebenen Zuflucht, einige in der malerischen Schönheit und Wärme Frankreichs, andere in Drogenexzessen, die nächsten im Schreiben. Der Text gründet auf den Tagebüchern und Memoiren aller Anwesenden und erzählt lebendig und feinfühlig von den Dramen, Sorgen, Ängsten und Nöten, den kleinen Freuden und den inneren und äußeren Fluchten.
Wir erleben gemeinsam mit dem “Zauberer” noch einmal den Sommer, in dem er ins Paradies vertrieben wurde, heimatlos, gequält, zerrissen und doch immer auf seinen Ruf und seinen Ruhm bedacht.
Wenn die Sonne untergeht ist die Geschichte von einer großen Schriftstellerfamilie, in der eine zerstörerische Dynamik an den Nerven zerrt, direkt aus München mit ins Exil gebracht und nirgendwo so plastisch greifbar wie zu den gemeinsamen Mahlzeiten.
Florian Illies nimmt die Tagebucheinträge und führt ihre Sprache fort, sodass sich die Figuren aus den Seiten erheben. Er erzählt, wie die Kinder alles dafür taten, das Vermögen und die Tagebücher des (Über-)Vaters zu retten und um seine Anerkennung ringen.
Im Wechsel zwischen Ironie, Nachdenklichkeit und der Ahnung eines drohenden Abgrunds, liegt der Reiz dieses Buches. Detailreich und ganz nah an den Figuren wählt Illies gekonnt ein kleines Zeitfenster für den Blick hinter Kulissen der Familie Mann. Neben den existenziellen Sorgen, die das Exil mit sich bringt, erhalten wir einen tiefen Einblick in die widersprüchlichen Gefühle aller, die diesen Sommer lebendig werden lassen. Thomas Mann ist der Bezugspunkt und die Reflektionsfläche, der Planet um den sie alle kreisen. Die Unsicherheit des Vaters lässt Erika und Klaus stark werden, seine mangelnde Fähigkeit, sich zum Exil zu bekennen, hält die gesamte Familie in einem Schwebezustand.
Es passiert so wenig und doch so viel. Wir tauchen ein in einen kleinen Kosmos, um knappe 300 Seiten später berührt und zahlreichen neuen Anekdoten um den großen Literaten wieder aufzutauchen. Ein großer Wurf.
Ich danke @vorablesen und dem S.Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar und habe sehr gerne den Sommer mit Familie Mann an der Côte d’Azur verbracht.