Tommie, der Zauberer

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wal.li Avatar

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Der Schriftsteller Thomas Mann weilt gerade im Ausland als die politische Lage in Deutschland immer brisanter wird. Seine Kinder Erika und Klaus können ihren Vater überzeugen, dass es besser ist, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Manns landen als erste Station ihres langjährigen Exils in Sanary am französischen Mittelmeer. Auch Heinrich Mann hat es so gerade noch auch Deutschland heraus geschafft. Mit dem Gedanken, seine Heimat verlassen zu müssen, tut sich Thomas Mann schwer. Eigentlich möchte er lieber zurückkehren. Doch je mehr vom Eigentum der Familie beschlagnahmt wird, je mehr ihre Rechte eingeschränkt werden, desto mehr muss auch der Autor einsehen, dass ein Aufenthalt in einem anderen Land vorzuziehen ist.

Die Familie Mann hat Nazi-Deutschland schon relativ früh verlassen. Als die Situation brenzlig wird, sind sie glücklicherweise gerade unterwegs. Doch die Eltern und Schwiegereltern und auch einige ihrer sechs Kinder sind noch daheim. Die Manns müssen damit leben, dass Teile ihres Eigentums plötzlich beschlagnahmt werden. Und doch ermöglichen sie es auf Umwegen einige Unterlagen und Dokumente aus dem Land zu schaffen. Nach und nach versammelt sich auch der Familienreis in Frankreich. Auch gibt es Unstimmigkeiten mit dem Verleger, der wegen der Veröffentlichung des nächsten Werkes meint, man müsse sich dem Regime anbiedern.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Stephan Schad, der es versteht, die Beklemmung fühlbar werden zu lassen, die man ob der politischen Lage in Deutschland im Jahr 1933 empfindet. Dieses Hörbuch ist in einer gekürzten Version verfügbar in der ARD-Audiothek. Allerdings wurde ein wenig zu viel gekürzt, was schon etwas schade ist.

Florian Illies nähert ist der Familie Mann während ihres Aufenthalts in Sanary im Sommer 1933 auf interessante Weise an. Zum einen erzählt er von den Ereignissen, zum anderen werden auch Äußerungen, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen zitiert. Das verleiht der Erzählung viel Authentizität. Man spürt die Beklemmung, das Abwägen, die Entscheidungen. Man fiebert mit, ob in erster Linie Menschen, aber auch die erwünschten Sachen, aus Deutschland heraus gelangen. Man fragt sich, wie eine sogenannte Regierung herausragende Persönlichkeiten ihres Landes so behandeln kann. Wie werden sie dann erst mit den normalen Menschen verfahren? Die Geschichte hat es gezeigt. Vielleicht ist es überhaupt mal wieder an der Zeit, sich mit Thomas Mann zu beschäftigten, der in diesem Jahr seinen hundertfünfzigsten Geburtstag gefeiert hätte.