Wenn die Sonne untergeht, bleibt das Echo einer Familie, die zwischen Genie und Wahnsinn lebte.

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claudiabader Avatar

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Wenn die Sonne untergeht, bleibt das Echo einer Familie, die zwischen Genie und Wahnsinn lebte.

Florian Illies versteht es wie kaum ein anderer, Biografisches, Anekdoten und Zitate meisterhaft miteinander zu verweben.

Mir war nie bewusst, wie facettenreich und kompliziert diese Familie tatsächlich war. Für mich war sie bislang eine Schriftstellerfamilie, die eine unfassbare Bandbreite an Meisterwerken unter einem Dach vereinte.

Doch die Beziehungen innerhalb der Familie stehen dem literarischen Erbe an Monstrosität in nichts nach.

Am meisten im Gedächtnis geblieben ist mir eine Passage des Buchs, dass die beiden Ältesten genial, die beiden Jüngsten niedlich und die Mittleren als überflüssig beschreibt.

Dieser Schmerz der Kinder, die alle nach der Aufmerksamkeit des Vaters streben und dabei so verzweifelt an ihrem Leben scheitern – mit einer Ausnahme: Elisabeth – zieht sich durch das gesamte Buch.

Erschüttert hat mich auch Thomas Manns Entrücktheit gegenüber den politischen Krisen im Dritten Reich, die in ihrer eigenen Ignoranz kaum zu übertreffen ist.

Der Glaube, der Literatur-Nobelpreisträger stehe über allem und Rassengesetze oder Ähnliches hätten nichts mit ihm zu tun, wirkt heute besonders bitter.

Faszinierend sind auch das beschriebene Frauenbild und der Umgang mit Homosexualität in dieser Zeit.

Viele der männlichen wie weiblichen Mitglieder der Familie Mann verspürten eine starke Anziehung zum eigenen Geschlecht – und jeder ging vor dem zeitlichen Hintergrund anders damit um:

– leugnen
– ausleben
– verstecken

Wie aufregend muss die Zeit am Meer in Sanary gewesen sein, zwischen all den literarischen Größen ihrer Epoche – versammelt auf einem kleinen Flecken in Frankreich.