Wenige Worte reichen

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evelynp. Avatar

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Der imposante Name Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten ist zugleich der erste Satz des Buchs von Anna Maschik.
Es beginnt alles mit der Geschichte von Henrike, der Urgroßmutter der Erzählerin Alma.
Nach und nach breitet Alma ihre Familiengeschichte in weiblicher Linie vor uns aus. Ein Jahrhundert etwa, dabei bleiben geschichtliche Ereignisse aber Hintergrundplätschern. Obwohl es immer nur kurze Ausschnitte dargestellt werden, ergibt sich für mich ein rundes Bild.
Spannend finde ich die Schreibweise, Situationen werden nicht nur aus einer Perspektive, sondern von bis zu allen Beteiligten geschildert. Dabei leitet die Autorin die jeweiligen Sichtweisen mit gleichen Satzanfängen ein und nutzt die gleichen Worte. Einmal vier unterschiedliche Schilderungen, wer wo was getan hat, als die Flieger kamen.
Die Abschnitte sind oft nichtmal eine Seite lang, was ich beim Lesen sehr gut fand, aber ökologisch doch als Ressourcenverschwendung betrachte.
Zwischendurch wird das ganze durch thematisch passende Listen ergänzt.
Auch bei ähnlichen Situationen in den folgenden Generationen werden Satzstücke wiederverwendet und gleiche Worte benutzt.
Ich finde dieses Buch sehr lesenswert, denn mit verhältnismäßig wenig Worten wird die Familiengeschichte über ein Jahrhundert eindrücklich dargestellt.