Wenn das Märchen dich nicht rettet, sondern verändert

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chiaara.j Avatar

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Schon die ersten Seiten von West of Wicked wirken wie eine vertraute Geschichte, die sich plötzlich gegen dich wendet. Das Cover spiegelt genau das wider: elegant, düster und verführerisch – als würde es dich bewusst in eine Welt locken, die zwar schön aussieht, aber gefährlich ist.

Die Geschichte greift bekannte Elemente aus Der Zauberer von Oz auf, verdreht sie jedoch komplett. Im Mittelpunkt steht Dorothy, die nach einem Sturm in eine fremde Welt gerissen wird – allerdings ist dieses Oz alles andere als märchenhaft. Es ist düster, brutal und voller Machtspiele, in denen nichts eindeutig gut oder böse ist. Genau diese Neuinterpretation macht die Handlung sofort spannend und hebt sie von klassischen Fantasy-Geschichten ab.

Der Schreibstil ist flüssig, aber gleichzeitig intensiv und bildhaft. Besonders auffällig ist, wie schnell eine bedrohliche Atmosphäre aufgebaut wird. Man fühlt sich beim Lesen nie wirklich sicher, weil ständig das Gefühl mitschwingt, dass hinter jeder Begegnung mehr steckt. Diese unterschwellige Spannung zieht sich durch die gesamte Leseprobe und sorgt dafür, dass man unbedingt weiterlesen will.

Die Figuren wirken komplex und moralisch schwer greifbar. Gerade Dorothy ist keine typische Heldin, sondern wirkt stärker, eigenständiger und gleichzeitig verletzlicher, als man es vielleicht erwarten würde. Auch die bekannten Figuren wie Vogelscheuche oder Blechmann erscheinen in einem neuen Licht – rauer, gefährlicher und mit eigenen Motiven. Genau diese Grauzonen machen die Charaktere besonders interessant.

Besonders spannend finde ich, dass die Geschichte nicht nur von Magie lebt, sondern auch von Macht, Identität und der Frage, wer man wird, wenn man in eine völlig neue Welt geworfen wird. Diese Kombination aus Dark Fantasy und Romance gibt dem Ganzen eine zusätzliche Intensität.

Ich erwarte eine düstere, emotionale und vielleicht auch provokante Geschichte, die bekannte Motive neu denkt und dabei keine Angst hat, Grenzen zu überschreiten. Die Leseprobe hat mich definitiv gepackt – ich will unbedingt weiterlesen, um zu sehen, wie weit Dorothy gehen wird… und ob sie dabei noch sie selbst bleibt.