Wenn das Verlangen die Magie trifft

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Eigentlich bin ich kein Fan von Personen auf Covern, da ich mir die Charaktere lieber frei im Kopf ausmale. Doch hier musste ich meine Meinung revidieren: „Never judge a book by its cover“. Trotz der abgebildeten Person verströmt die Gestaltung eine unglaublich mystische Ausstrahlung, die mich sofort neugierig gemacht hat. Besonders gelungen finde ich, dass Oz im Hintergrund dezent zu erkennen ist – das unterstreicht den geheimnisvollen, düsteren Vibe perfekt.

Der Schreibstil hat mich von der ersten Seite an abgeholt und direkt in die Geschichte hineingezogen. Die Erzählweise ist flüssig, bildhaft und schafft es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Es fühlt sich nach einer Erzählung an, die sich traut, tiefer zu graben und eben nicht nur die typischen, glattgebügelten Märchen-Klischees bedient.

Die Geschichte setzt auf eine faszinierende Neuinterpretation bekannter Motive. Wir lernen Dorothy kennen, die nach einem traumatischen Sommersturm bei Tante Em und Onkel Henry in Kansas gelandet ist und nun als junge Frau zwischen der Loyalität zu ihrer Farm und einer inneren Leere sowie ungestilltem Verlangen schwankt. Parallel dazu erleben wir Cleo im Land Oz, die unter der grausamen Hexe des Ostens dient und zur Schlüsselfigur in einem Hexen-Komplott wird. Besonders spannend ist der Moment, als am Ende der Leseprobe die Welten kollidieren und ein Haus wortwörtlich vom Himmel fällt.

Die Leseprobe hat den mystischen Vibe des Covers absolut bestätigt. Die Mischung aus einer eher bodenständigen, aber psychologisch spannenden Dorothy-Erzählung und der düsteren Magie in Oz macht Lust auf mehr. Ich will jetzt unbedingt wissen, was wirklich hinter dieser Geschichte steckt und wie Nikki St. Crowe die Fäden zwischen Verlangen, Macht und den Hexen von Oz weiterspinnt. Ein Muss für alle, die düstere Retellings lieben!