Ihr Roman ist eine Einladung, die eigenen “Drachenflügel” auszubreiten – und sich nicht kleinmachen zu lassen ❤️

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When Women Were Dragons entführt uns in eine alternative Version der 1950er Jahre in den USA. Im Zentrum steht die junge Alex Green, deren Leben von einem unerklärlichen und gesellschaftlich tabuisierten Ereignis geprägt ist: dem sogenannten “Mass Dragoning” von 1955, bei dem Hunderttausende Frauen und Mädchen sich plötzlich in Drachen verwandeln – und damit alle Vorstellungen von Weiblichkeit, Rolle und Macht sprengen.

Die Geschichte wird aus Alex’ Sicht erzählt, die als Kind Zeugin wird, wie ihre geliebte Tante Marla zur Drachenfrau wird und verschwindet. Die Familie und die Gesellschaft schweigen über das Geschehene, was Alex und ihre Cousine Beatrice, die fortan als ihre Schwester gilt, in eine Welt des Verdrängens und Verleugnens zwingt. Alex wächst in einer Atmosphäre der Unterdrückung, der unausgesprochenen Wut und des Schweigens auf – und kämpft gleichzeitig für ihre Bildung und Selbstbestimmung in einer Zeit, in der Frauen auf Hausfrau und Mutter reduziert werden sollen.

Stil & Erzählweise :

Kelly Barnhill verwebt historische Fiktion, Memoir und fantastische Elemente zu einer vielschichtigen, atmosphärisch dichten Erzählung. Die Prosa ist poetisch, stellenweise humorvoll und voller Wut, Hoffnung und Trauer. Besonders gelungen sind die eingestreuten Zeitungsartikel, Tagebucheinträge und “offizielle” Dokumente, die das Worldbuilding vertiefen und die gesellschaftliche Dimension des Drachen-Phänomens greifbar machen

Die Drachen sind dabei nicht nur fantastische Wesen, sondern ein mächtiges Symbol: Sie stehen für weibliche Wut, Selbstermächtigung und das Recht, den eigenen Platz in der Welt einzufordern. Die Verwandlung ist Ausdruck eines Befreiungsschlags aus gesellschaftlichen Zwängen, aber auch ein Kommentar auf das Schweigen über weibliche Erfahrungen und Traumata.

Bedeutung & Botschaft des Romans :

Barnhill nutzt das Drachenmotiv als Metapher für viele Facetten weiblicher Erfahrung:

• Wut & Befreiung: Die Verwandlung in einen Drachen steht für das Heraustreten aus Unterdrückung und für das Recht, wütend zu sein – und diese Wut produktiv einzusetzen

• Schweigen & Tabus: Das kollektive Schweigen über die “Dragonings” spiegelt reale gesellschaftliche Tabus wider, etwa um weibliche Körper, Sexualität oder Gewalt.

• Selbstbestimmung & Bildung: Alex’ Kampf um ein selbstbestimmtes Leben und ihre Leidenschaft für Mathematik stehen exemplarisch für den Wunsch vieler Frauen, sich nicht auf Rollenklischees reduzieren zu lassen.

• Solidarität & Sisterhood: Die Beziehungen zwischen den weiblichen Figuren – besonders zwischen Alex, Marla und Beatrice – zeigen die Kraft weiblicher Solidarität und Unterstützung.

Die Autorin will uns zeigen, dass es Mut braucht, sich gegen gesellschaftliche Erwartungen zu stellen und die eigene Stimme zu finden. Ihr Roman ist eine Einladung, die eigenen “Drachenflügel” auszubreiten – und sich nicht kleinmachen zu lassen ❤️