Der Wunsch nach Unsichtbarkeit

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Das Cover strahlt eine moderne, fast schon poetische Melancholie aus. Die Gestaltung wirkt hochwertig und passt perfekt in das Genre des New Adult. Es verspricht eine Geschichte, die tief unter die Haut geht und sich mit der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt, ohne dabei kitschig zu wirken.

Wiktoria A. Wieczorek hat mich ab der ersten Seite mit ihrem sehr emotionalen und gleichzeitig präzisen Schreibstil gefesselt. Besonders beeindruckend finde ich den Wechsel zwischen der Gegenwart und den Rückblenden („Fünf Jahre früher“). Die Autorin schafft es, die Sprachbarrieren und das Gefühl der Fremdheit, das Zofia/Nessy begleitet, fast physisch spürbar zu machen. Die Dialoge mit ihrer Mitbewohnerin Lena sind lebendig und authentisch, während die Gedankenwelt der Protagonistin eine tiefe, fast schon bildhafte Melancholie trägt.

Die Protagonistin Zofia, die sich in Berlin hinter dem Namen „Nessy“ tarnt, um dazuzugehören, ist eine unglaublich facettenreiche Figur. Ihr innerer Konflikt zwischen ihrer polnischen Herkunft und dem Wunsch nach Unsichtbarkeit in Deutschland ist greifbar und bewegend. Die Begegnung mit Nils im Club, einem Geist aus ihrer Vergangenheit, der offenbar für ein traumatisches Ereignis an ihrer alten Schule verantwortlich war, sorgt sofort für eine enorme Spannungskurve. Auch die Nebencharaktere wie der charmante Café-Besitzer Matteo oder die quirlige Lena bringen eine tolle Dynamik in die Geschichte.

Ich möchte unbedingt wissen, was damals zwischen Nils und Zofia vorgefallen ist und ob sie es schafft, ihre „Tarnung“ aufzugeben, um zu sich selbst zu stehen. Die Leseprobe hat eine gute Mischung aus emotionalem Tiefgang, Berliner Großstadt-Vibe und einer geheimnisvollen Vergangenheit. Ich bin wahnsinnig gespannt auf das komplette Buch!