Eine Welt voll überbordender Phantasie

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leseleucht Avatar

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Das hat Jordan Lees in seinem Erstlingsroman „Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen“ geschaffen. Benjamiah ist ein ganz normaler Junge, er lebt mit Großmutter und Eltern über ihrem Buchladen. Er liebt Bücher und das Lesen, aber er liest mehr Bücher, über die Welt, wie sie wirklich ist, bis er eines Tages in einer Parallelwelt landet, in der gar nichts wirklich ist. Diese Welt besteht aus einem riesigen Labyrinth, in dessen Mitte das Böse wohnt. Ist es diese finstere Macht, die für das Verschwinden von Elizabellas Zwillingsbruder verantwortlich ist? Gemeinsam mit Benjamiah macht sie sich auf die Suche nach ihm in den undurchdringlichen Wirren des Labyrinths, immer auf der Spur, die ihr Bruder vermutlich gelegt hat, um sie zu ihm zu führen. Oder doch nicht?
Den Einstieg fand ich schwierig, weil man in dieser mysteriösen Welt des Labyrinths zusammen mit dem Zwillingsbruder von Elizabellas auf ein schwer zu definierendes Wesen trifft, das sich aus dem Spalt seiner Zimmerwand schlängelt. Es strahlt pure Bösartigkeit aus. Der Anfang ist zwar spannend, aber gleichzeitig auch schon schaurig-abstoßend. Mit dem Eintreten von Benjamiah wird es leichter, sich in die Handlung fallen zu lassen, weil man mit ihm eine Figur hat, mit der man sich gut identifizieren kann. Und das ist auch nötig in so einer irren und verworrenen Welt, in der Elizabella und ihre Familie wohnen. Aber spätestens mit Benjamiahs Eintritt in diese Welt hat die Handlung des Buches den Leser dann gänzlich gepackt. Die Rätsel, die beide zu lösen haben, sind spannend, die Welt schaurig schön. Mit überbordender Phantasie hat der Autor eine Parallelwelt erschaffen und ihr zwei Charaktere gegeben, mit denen der Leser mitfiebern kann. Der Roman hat alles, was ein Leseabenteuer braucht: eine Phantasiewelt, in der man gänzlich abtauchen kann, packende Spannung, grausige Gegner und zwei Helden, die nicht so heldenhaft sind, das man um sie nicht Angst haben müsste und mit denen man sich gerne in diese Welt begibt, die viel mehr bietet, als nur das, was man sehen und vermessen kann. Immer ist es anders, als es zu sein scheint. Und doch kann man froh sein, in einer Welt zu leben, die überschaubar ist, denn wie furchtbar muss es sein, durch eine Welt zu irren, in der man nach drei Straßen die völlige Orientierung verloren und den Weg nach Hause vergessen hat.
Wer seine Welt und seine Weltsicht erweitern und Abenteuer erleben will, der sollte Bücher wie dieses lesen.