Gefährliche Suche nach der Wahrheit

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la calavera catrina Avatar

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Der elfjährige Benjamiah lebt in einem verschlafenem Dörfchen und ist ein wissbegieriger Leser wissenschaftlicher Bücher, der am liebsten seiner Großmutter im »Es war einmal« Buchladen hilft. Ausgerecht er, für den Magie und Wunder nicht existieren, erlebt ein fantastisches Abenteuer in einer fremden Welt. Glücklicherweise wird er in Winkelwald von dem freundlichen Hansel als Gast aufgenommen und ist von dessen Schicksal um seinen vermissten Sohn berührt. Gemeinsam mit seiner Tochter Elizabella macht sich Benjamiah auf die Suche nach den vier Flüsterflammen, um das Verschwinden ihres Zwillingsbruders Edwin aufzuklären.

Die Parallelwelt Winkelwald ist mysteriös und ganz schön düster - die Atmosphäre unheimlich und melancholisch. Die finstere Mythologie des dunklen Zeitalters fesselt Benjamiah, der in einem Buch darüber liest, um die Welt und die grausame Herrschaft der Witwe zu verstehen. Es gibt riesige Straßenlabyrinthe, die sich nicht kartografisch darstellen lassen. Menschen kehren nicht nach Hause zurück, weil sie sich verlaufen haben. Sich ohne Hilfe zurechtzufinden, ist unmöglich. Mechanische Pferde an Kutschen gespannt, navigieren die Menschen, die es sich leisten können, durch die Stadt, während die Gehängten Männer sich frei bewegen können, um die Einhaltung der Gesetze sicherzustellen. Farben sind kostbar und selten in dieser Welt. Ein interessanter Weltenbau für Fantasyfans, der neue Ideen einbringt und gleichzeitig Fragen aufwirft.

Benjamiah ist selbstlos und mutig, als er Elizabell ein Versprechen gibt und sich in große Gefahren stürzt, während ungewiss ist, ob er jemals wieder nach Hause kommen wird. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, einen Weg aus Winkelwald in seine Welt zu finden, wobei sein Glaube an Logik und Vernunft auf die Probe gestellt wird. Elizabella lässt sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Ihre Verbissenheit, ihr großer Mut und ihre bedingungslose Liebe sind beachtlich und glaubhaft dargestellt. „Edwin war nicht bloß ihr Zwillingsbruder - er war auch ihr bester Freund.“
Es geht außerdem um familiären Zusammenhalt, der auch durch die drohende Scheidung von Benjamiahs Eltern und seine Ängste davor thematisiert wird. Auch Freundschaft, Selbstfindung und Vertrauen verleihen der Geschichte und den Protagonisten mehr Tiefe. Die Dynamik zwischen Benjamiah und Elizabella wandelt sich im Verlauf. Widerwillig nimmt Elizabella Hilfe an, doch die beiden ergänzen und helfen sich. Erwähnenswert sind auch die vereinzelten ganzseitigen Schwarz-Weiß-Illustrationen, die eindrucksvoll die Vielseitigkeit der Suche zeigen, die die Kinder an ganz unterschiedliche Orte führt.

Die Suche ist spannend und flüssig geschrieben und birgt Rätsel, Gefahren und große Herausforderungen, während sie gleichbleibenden Mustern folgt, denen sich die Kinder, mithilfe der magischen Seelenpuppen und einem magischen Gegenstand, allein stellen müssen. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass die Story etwas dichter erzählt wird. Außerdem schwingt immer mal wieder Humor durch - davon hätte ich mir mehr gewünscht.
Es gibt keinen Cliffhanger, was mir gefällt, denn die Handlung ist abgeschlossen, obwohl eine Fortsetzung geplant ist. Und die überraschenden Wendungen hat sich Autor Jordan Lees in seinem Debüt für den emotionalen Schluss aufgespart, die nochmal ein ganz anders Licht auf das Buch werfen, was mir besonders gefallen hat.

Eine abenteuerlich magisches Debüt für Kinder ab 11 Jahren und Erwachsene, die es originell, düster, emotional und spannend mögen. Für mich reicht das Debüt an Cornelia Funke oder Philip Pullman nicht heran, aber es ist eine lesenswerte Fantasygeschichte, die spannend unterhält und mitreißt.