Vorschusslorbeeren? Na, mal sehen …

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ravenmoon Avatar

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Bei einem Buch, das gleich mit Lob von New York Times, Financial Times und Washington Post um sich wirft, werde ich ja grundsätzlich erst einmal ein bisschen skeptisch. 😄 Da liegt die Messlatte schließlich schon ziemlich hoch.

Nach der Leseprobe muss ich allerdings zugeben: Ganz unverdient scheint der ganze Wirbel nicht zu sein. Die Geschichte um Cal, der sich im Westen Irlands ein neues, ruhiges Leben aufgebaut hat, wirkt zunächst angenehm unspektakulär – und genau daraus entsteht eine ganz besondere Spannung. Zwischen Dorfklatsch, Regenwetter, kleinen Alltagsbeobachtungen und wunderbar eigenwilligen Figuren braut sich langsam etwas zusammen.

Was mich aber fast noch mehr überzeugt hat, ist die Sprache. Die Beschreibungen Irlands sind unglaublich atmosphärisch und gleichzeitig steckt viel feiner, trockener Humor zwischen den Zeilen. Ich habe mehrfach bei kleinen Formulierungen schmunzeln müssen.

Natürlich muss man hier auch dem Übersetzer Henning Ahrens ein Kompliment machen. Wie viel von dieser sprachlichen Qualität tatsächlich aus Tana Frenchs Original stammt und wie viel Ahrens' Verdienst ist, kann ich nicht beurteilen – aber die deutsche Fassung liest sich jedenfalls großartig.

Ich bin also wider Erwarten ziemlich schnell von „Na, ob das wirklich so gut ist?“ zu „Okay, ich will weiterlesen.“ gewechselt. 😄

Die Vorschusslorbeeren sind damit zumindest für mich nicht mehr ganz so verdächtig. Eine sprachlich starke, atmosphärische Leseprobe, die viel mehr verspricht, als der zunächst ruhige Einstieg vermuten lässt. 5 von 5 Sternen.