Ein irisches Dorf, wie es leibt und lebt
Cal Hooper hat sich bei der Polizei in Chicago gerade noch rechtzeitig pensionieren lassen, um im fiktiven Ardnakelty in Grenznähe zu Nordirland ein abgelegenes Farmhaus zu renovieren und eine kleine Möbeltischlerei zu gründen. Seine Begegnung mit dem Mädchen Trey trug ihm eine selbstbewusste Pflegetochter ein, die entschlossen ist, die Schule abzubrechen und sofort eine Tischlerlehre zu beginnen. Mit der mittelalten Lena Dunne pflegt Cal getrennte Häuser und eine innige Verbindung. Oberflächlich betrachtet, könnte man ihn für gut integriert in die Dorfgemeinschaft halten. Cal hackt seinen rheumageplagten Nachbarn das Brennholz, repariert Dächer und weiß sich im Pub zu benehmen. Das Schreinern und Einspringen in der Not unterliegt jedoch strengen Regeln. Genau wird beobachtet, wer Cal Aufträge gibt und wer nicht; Cal hilft nicht einfach, das Helfen ist auch eine Gnade, die ihm als Fremdem gewährt wird. Wen man nicht achtet, dem gibt man hier keinen Auftrag – und Buckeln vor Kirche und Grundbesitzer liegt den Leuten seit Generationen im Blut.
Als jedoch am Tag vor ihrer Hochzeit mit dem Sohn des mächtigen Dorftycoons Rachel Holohan tot aufgefunden wird, zeigt sich das Gleichgewicht gegenseitiger Hilfe unerwartet labil. In einer Nachbarschaft, in der nichts unbeobachtet bleibt, war Rachel noch kurz vor ihrem Tod unter einem Vorwand bei Cals Partnerin Lena – eine ganz und gar nicht glückliche Braut. Lena fühlt sich von Rachels Tod in die Enge getrieben, verbietet sich jedoch, mit Cal über ihre Sorge zu sprechen. Auch wenn Lena eisern schweigt, entsteht durch Tratsch praktisch ein doppeltes Ardnakelty, ein Labyrinth, aus dem man nur schwer wieder herausfindet.
Ein ganzes Dorf begibt sich nun auf die Suche nach dem möglichen Motiv für Rachels Tod und wer davon profitieren würde. Dabei sind strenge Kommunikationsregeln zu beachten (wir erinnern uns, Rachel konnte – im Zentrum des Dorfklatsches – nicht einfach an Lenas Tür klopfen, und Lena kommt offiziell stets zu Besuch, um ein Glas Brombeermarmelade vorbeizubringen). Cal allerdings muss sich fragen, wo sein Platz in der dörflichen Hackordnung ist, wo seine persönlichen Grenzen – und ob er Frau, Pflegetochter und Schreinerwerkstatt für seine Grundsätze opfern würde.
Fazit
„Wie ein Fluss in der Nacht“, treffender unter dem Originaltitel The Keeper/Der Hüter, hat am Rande einen ungeklärten Todesfall zu bieten, in dem Cal keinen offiziellen Ermittlungsauftrag hat. Die über 500 Seiten liefern das liebevoll gezeichnete Bild einer Dorfgemeinschaft, in der jeder – fast – alles über andere weiß und sich so manches von selbst verbietet. Cal, Lena und Trey habe ich als vielschichtige, liebenswerte Figuren erlebt. In Ardnakelty funktioniert das soziale Netz mit Pub und Laden noch, auch wenn sich in dieser Region abzeichnet, dass gerade Frauen, die in die Stadt gehen, nicht wiederkommen und junge Männer keine Frauen mehr finden werden. Gefallen hat mir Cals Selbstkritik, als ihm bewusst wird, dass sich Trey ohne seine Teamarbeit mit Lena kaum so erfreulich entwickelt haben würde. Eine Freude waren in der deutschen Übersetzungen die scharfzüngigen Dialoge, die sicher nicht schon im nächsten Jahr aus der Mode gekommen sein werden. Ein Soziogramm eines Dorfes im Hinterland, das mir großes Lesevergnügen bereitet hat.
Als jedoch am Tag vor ihrer Hochzeit mit dem Sohn des mächtigen Dorftycoons Rachel Holohan tot aufgefunden wird, zeigt sich das Gleichgewicht gegenseitiger Hilfe unerwartet labil. In einer Nachbarschaft, in der nichts unbeobachtet bleibt, war Rachel noch kurz vor ihrem Tod unter einem Vorwand bei Cals Partnerin Lena – eine ganz und gar nicht glückliche Braut. Lena fühlt sich von Rachels Tod in die Enge getrieben, verbietet sich jedoch, mit Cal über ihre Sorge zu sprechen. Auch wenn Lena eisern schweigt, entsteht durch Tratsch praktisch ein doppeltes Ardnakelty, ein Labyrinth, aus dem man nur schwer wieder herausfindet.
Ein ganzes Dorf begibt sich nun auf die Suche nach dem möglichen Motiv für Rachels Tod und wer davon profitieren würde. Dabei sind strenge Kommunikationsregeln zu beachten (wir erinnern uns, Rachel konnte – im Zentrum des Dorfklatsches – nicht einfach an Lenas Tür klopfen, und Lena kommt offiziell stets zu Besuch, um ein Glas Brombeermarmelade vorbeizubringen). Cal allerdings muss sich fragen, wo sein Platz in der dörflichen Hackordnung ist, wo seine persönlichen Grenzen – und ob er Frau, Pflegetochter und Schreinerwerkstatt für seine Grundsätze opfern würde.
Fazit
„Wie ein Fluss in der Nacht“, treffender unter dem Originaltitel The Keeper/Der Hüter, hat am Rande einen ungeklärten Todesfall zu bieten, in dem Cal keinen offiziellen Ermittlungsauftrag hat. Die über 500 Seiten liefern das liebevoll gezeichnete Bild einer Dorfgemeinschaft, in der jeder – fast – alles über andere weiß und sich so manches von selbst verbietet. Cal, Lena und Trey habe ich als vielschichtige, liebenswerte Figuren erlebt. In Ardnakelty funktioniert das soziale Netz mit Pub und Laden noch, auch wenn sich in dieser Region abzeichnet, dass gerade Frauen, die in die Stadt gehen, nicht wiederkommen und junge Männer keine Frauen mehr finden werden. Gefallen hat mir Cals Selbstkritik, als ihm bewusst wird, dass sich Trey ohne seine Teamarbeit mit Lena kaum so erfreulich entwickelt haben würde. Eine Freude waren in der deutschen Übersetzungen die scharfzüngigen Dialoge, die sicher nicht schon im nächsten Jahr aus der Mode gekommen sein werden. Ein Soziogramm eines Dorfes im Hinterland, das mir großes Lesevergnügen bereitet hat.