Mit „Wie ein Fluss in der Nacht“ schließt Tana French ihre Cal-Hooper-Trilogie ab und das auf wunderbar stimmige Art. Cal, Lena und Trey sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen, gerade ihre Beziehung macht den Roman so besonders. Als eine junge Frau tot im Fluss gefunden wird, behauptet das Dorf schnell Selbstmord, doch natürlich ist nichts so einfach. French baut ihre Spannung wie immer eher langsam auf, aus Blicken, Andeutungen, alten Loyalitäten und dem Gefühl, dass in den kleinem Ort jeder etwas weiß und keiner alles sagt. Das erinnert mich stark an ihre frühen Bücher: Schon in „Grabesgrün“ und „Gleichheit“ waren ihre Krimis nie bloße Mordfälle, sondern Geschichten über Erinnerung, Identität und die Abgründe hinter harmlosen Fassaden. Hier ist das noch reifer geworden: weniger Polizeialltag, mehr Dorf, Landschaft und leise Bedrohung. Die irische Westküste wird fast zur eigenen Figur – nass, schön und unheimlich. Der Twist kommt spät, überrascht, wirkt aber nie konstruiert. Besonders gut: Die Auflösung ist befriedigend, aber nicht glatt – man spürt, dass Gerechtigkeit oft kompliziert ist. Für mich ein klarer Fünf-Sterne-Roman: emotional, atmosphärisch, klug und ein würdiger Abschluss. Wer French seit ihren ersten Büchern liest, wird hier viel von dem wiederfinden, was sie einzigartig macht – nur noch besser.