Hat mich leider nicht überzeugt
Egal, ob wir Schmuck tragen, ein paar Goldmünzen als Notgroschen sammeln, Laptop oder ein Mobiltelefon benützen, überall wird Gold dazu benötigt. Doch die wenigsten von uns machen sich Gedanken, woher das Material Gold kommt und unter welchen Umständen Gold abgebaut wird.
Ich beschäftige mich schon über zwanzig Jahre mit Schmuck und stelle auch welchen her, wenn auch nicht unter Verwendung von Gold. Ähnliches wie für Gold lässt sich über Edelsteine sagen: Diejenigen, die Gold und Edelsteine aus dem Erdinneren hervorholen, haben den wenigsten Profit, aber das meiste Risiko. Also habe ich mich voll Neugier diesem Buch gewidmet, dessen provokanter Titel Aufmerksamkeit erregt.
Allzu viel Neues habe ich nicht erfahren. Ähnliche Methoden, den Profit der Konzerne zu maximieren, kennt der interessierte Konsument schon vom Kaffee- und Kakaoanbau. Auch dort müssen die Kleinstbauern ihre Zertifizierung selbst bezahlen. Wobei die Gewinnung von Gold noch wesentlich komplexer ist.
Ein wenig bin ich enttäuscht, denn das Buch dreht sich hauptsächlich um die Autorin, die obwohl Erbin einer Schmuckhandlung, die wie sie schreibt, schon als Kind am liebsten im Tresorraum des Vaters mit Edelsteinen gespielt hat, entsetzlich naiv an das Thema herangeht. Erst nach dem plötzlichen Tod des Vaters und dem Verlust der Firma beginnt sie sich mit dem Abbau von Gold und Edelsteinen zu beschäftigen. Eine Art „Erweckungserlebnis“ hat sie, nachdem sie einen Film über die Arbeit in einer Goldmine gesehen hat, die unmenschlichen Bedingungen, die für den Film sicherlich geschönt worden sind. Und ebenso unbedarft, wie sie zunächst die Firma des Vaters übernommen hat, will sie etwas an der Situation ändern. Dazu besucht sie zunächst eine Goldmine in Lima/Peru. Was dann weiter geschieht, schildert sie in diesem Buch.
In acht Kapiteln versucht sie uns wachzurütteln, um - ja um uns was mitzuteilen? Wie gut und toll sie ist? Dass sie auch Rückschläge erleidet, weil die Arbeiter in den Minen die von ihr mitgebrachte Sicherheitsausrüstung, die sie, ohne die Betroffenen zu fragen, angeschafft und mitgebracht, vehement ablehnen? Dass alle Gauner sind?
Das Buch wirkt stellenweise wie eine Marketingstrategie der Autorin auf mich. Ich habe den Eindruck, es drehe sich hier alles um Guya Merkle und nicht um die Menschen, die unter unvorstellbaren Bedingungen, die sowohl die eigene Gesundheit und die Umwelt, durch Chemikalien und Raubbau schädigen, und für buchstäblich „eine Handvoll Dollars“ pro Tag in illegalen Minen schuften. Lebenserwartung: 30 bis 35 Jahre. Diese Arbeiterinnen und Arbeiter, darunter viele Kinder, die klein genug sind, in die schmalen Schächte zu kriechen, kommen nicht zu Wort. So hat das ganze Buch für mich einen schalen Nachgeschmack und erinnert ein wenig an die überhebliche Art, wenn privilegierte Weiße, den Betroffenen erklären, was zu tun wäre.
Was mich als gelernte Vermesserin, die mit Grundstücken und deren Besitzverhältnissen zu tun hat, noch interessiert: Wem gehört eigentlich Grund und Boden, auf denen diese meist illegalen Kleinstminen liegen? Sicherlich nicht jenen, die darin schuften.
Man möge mich bitte nicht falsch verstehen, das Thema und das Engagement der Autorin lobenswert, trotzdem regt mich ihre Egozentrik ziemlich auf: Ich, ich, ich. Dazu trägt auch der Schreibstil, der auf mich wie ein Interview wirkt, bei. Kurzfristig wird das Buch Aufmerksamkeit erregen und Interesse erwecken, vielleicht die eine oder andere Spende an die von Guya Merkle gegründete „Earthbeat Foundation“ lukrieren, aber langfristig?
Dem Aufruf, einen Teil des persönlichen Goldbedarfs durch das Recyceln des bereits vorhanden Edelmetalls in Form von Altschmuck und Zahngold (was aber seit dem NS-Regime bei vielen Menschen einen makabren Beigeschmack hat) abzudecken, wird wohl nur in geringem Maß gefolgt werden. Zudem nicht klar ist, unter welchen Bedingungen dieses Gold, wann und wo, einst geschürft worden ist. Okay, es muss kein neues Gold aus dem Gestein extrahiert werden. Manche Juweliere und Goldschmiede werben damit. Doch Achtung! Oftmals verbirgt sich hinter dem Begriff „recycletes Gold“ auch illegal frisch geschürftes Gold, das mit legal Gewonnenem vermengt ist. Die Herkunft kann dann nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden.
Fazit:
Die Bewertung dieses Buch fällt mir schwer, denn zum einen ist das Thema wichtig. Dafür gebe ich die vollen 5 Sterne. Zum anderen reißen mich Umsetzung und Schreibstil nicht wirklich vom Hocker und verdienen maximal 2 Sterne. Also, werden es 3 Sterne.
Ich beschäftige mich schon über zwanzig Jahre mit Schmuck und stelle auch welchen her, wenn auch nicht unter Verwendung von Gold. Ähnliches wie für Gold lässt sich über Edelsteine sagen: Diejenigen, die Gold und Edelsteine aus dem Erdinneren hervorholen, haben den wenigsten Profit, aber das meiste Risiko. Also habe ich mich voll Neugier diesem Buch gewidmet, dessen provokanter Titel Aufmerksamkeit erregt.
Allzu viel Neues habe ich nicht erfahren. Ähnliche Methoden, den Profit der Konzerne zu maximieren, kennt der interessierte Konsument schon vom Kaffee- und Kakaoanbau. Auch dort müssen die Kleinstbauern ihre Zertifizierung selbst bezahlen. Wobei die Gewinnung von Gold noch wesentlich komplexer ist.
Ein wenig bin ich enttäuscht, denn das Buch dreht sich hauptsächlich um die Autorin, die obwohl Erbin einer Schmuckhandlung, die wie sie schreibt, schon als Kind am liebsten im Tresorraum des Vaters mit Edelsteinen gespielt hat, entsetzlich naiv an das Thema herangeht. Erst nach dem plötzlichen Tod des Vaters und dem Verlust der Firma beginnt sie sich mit dem Abbau von Gold und Edelsteinen zu beschäftigen. Eine Art „Erweckungserlebnis“ hat sie, nachdem sie einen Film über die Arbeit in einer Goldmine gesehen hat, die unmenschlichen Bedingungen, die für den Film sicherlich geschönt worden sind. Und ebenso unbedarft, wie sie zunächst die Firma des Vaters übernommen hat, will sie etwas an der Situation ändern. Dazu besucht sie zunächst eine Goldmine in Lima/Peru. Was dann weiter geschieht, schildert sie in diesem Buch.
In acht Kapiteln versucht sie uns wachzurütteln, um - ja um uns was mitzuteilen? Wie gut und toll sie ist? Dass sie auch Rückschläge erleidet, weil die Arbeiter in den Minen die von ihr mitgebrachte Sicherheitsausrüstung, die sie, ohne die Betroffenen zu fragen, angeschafft und mitgebracht, vehement ablehnen? Dass alle Gauner sind?
Das Buch wirkt stellenweise wie eine Marketingstrategie der Autorin auf mich. Ich habe den Eindruck, es drehe sich hier alles um Guya Merkle und nicht um die Menschen, die unter unvorstellbaren Bedingungen, die sowohl die eigene Gesundheit und die Umwelt, durch Chemikalien und Raubbau schädigen, und für buchstäblich „eine Handvoll Dollars“ pro Tag in illegalen Minen schuften. Lebenserwartung: 30 bis 35 Jahre. Diese Arbeiterinnen und Arbeiter, darunter viele Kinder, die klein genug sind, in die schmalen Schächte zu kriechen, kommen nicht zu Wort. So hat das ganze Buch für mich einen schalen Nachgeschmack und erinnert ein wenig an die überhebliche Art, wenn privilegierte Weiße, den Betroffenen erklären, was zu tun wäre.
Was mich als gelernte Vermesserin, die mit Grundstücken und deren Besitzverhältnissen zu tun hat, noch interessiert: Wem gehört eigentlich Grund und Boden, auf denen diese meist illegalen Kleinstminen liegen? Sicherlich nicht jenen, die darin schuften.
Man möge mich bitte nicht falsch verstehen, das Thema und das Engagement der Autorin lobenswert, trotzdem regt mich ihre Egozentrik ziemlich auf: Ich, ich, ich. Dazu trägt auch der Schreibstil, der auf mich wie ein Interview wirkt, bei. Kurzfristig wird das Buch Aufmerksamkeit erregen und Interesse erwecken, vielleicht die eine oder andere Spende an die von Guya Merkle gegründete „Earthbeat Foundation“ lukrieren, aber langfristig?
Dem Aufruf, einen Teil des persönlichen Goldbedarfs durch das Recyceln des bereits vorhanden Edelmetalls in Form von Altschmuck und Zahngold (was aber seit dem NS-Regime bei vielen Menschen einen makabren Beigeschmack hat) abzudecken, wird wohl nur in geringem Maß gefolgt werden. Zudem nicht klar ist, unter welchen Bedingungen dieses Gold, wann und wo, einst geschürft worden ist. Okay, es muss kein neues Gold aus dem Gestein extrahiert werden. Manche Juweliere und Goldschmiede werben damit. Doch Achtung! Oftmals verbirgt sich hinter dem Begriff „recycletes Gold“ auch illegal frisch geschürftes Gold, das mit legal Gewonnenem vermengt ist. Die Herkunft kann dann nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden.
Fazit:
Die Bewertung dieses Buch fällt mir schwer, denn zum einen ist das Thema wichtig. Dafür gebe ich die vollen 5 Sterne. Zum anderen reißen mich Umsetzung und Schreibstil nicht wirklich vom Hocker und verdienen maximal 2 Sterne. Also, werden es 3 Sterne.