Mehr als ein Künstlerroman

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thomsen_ Avatar

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Manche Leseproben wollen vor allem neugierig machen. Diese hier zieht einen langsam hinein.
Constantin Lieb nimmt sich Zeit. Für den Weg zum Wildbodenhaus, für das Wetter, für die Stille der Berge. Dabei entsteht eine Atmosphäre, die mich sofort gepackt hat. Das Haus wirkt nicht nur wie ein Schauplatz, sondern fast wie eine eigene Figur.

Besonders gelungen fand ich den Wechsel zu Erna Schilling. Sie steht nicht im Schatten des berühmten Malers, sondern wird von Anfang an als eigenständiger Mensch greifbar. In den Gesprächen mit Kirchner steckt mehr, als ausgesprochen wird. Nähe und Distanz liegen oft in demselben Satz. Gerade diese Zwischentöne haben mir gefallen.

Der Roman scheint weniger die Biografie eines großen Künstlers erzählen zu wollen als die Geschichte zweier Menschen, die miteinander leben und doch jeder seine eigene Einsamkeit mit sich trägt. Ich bin gespannt, wie viel davon historisch belegt ist und wo der Autor die Lücken mit seiner Vorstellungskraft füllt. Nach dieser Leseprobe möchte ich auf jeden Fall weiterlesen