Anspruchsvoller Roman über eine Liebe in schwierigen Zeiten

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monika85 Avatar

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In seinem Debütroman "Wildboden", der im Insel Verlag erschienen ist, erzählt Constantin Lieb die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe.

Ernst Ludwig Kirchner, einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, und seine Lebensgefährtin Erna Schilling leben seit 15 Jahren zurückgezogen in Frauenkirch, einem Ortsteil der Gemeinde Davos. Der Künstler wünscht sich sehnlichst, dazuzugehören, doch die Bewohner des Ortes begegnen ihm und Erna immer noch mit Skepsis. Nur wenige interessieren sich für Kirchners Kunst. Erna leidet unter Depressionen, sie fühlt sich einsam und hat Heimweh nach Berlin. Kirchner ist traumatisiert von Ereignissen während des Ersten Weltkriegs und seitdem immer wieder abhängig von Medikamenten. Seine Welt bricht zusammen, als er erfährt, dass in Deutschland seine Werke als entartete Kunst bezeichnet werden und er von den Nationalsozialisten aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen wurde. Freunde, Sammler und Unterstützer wenden sich von ihm ab, er verkauft keine Bilder mehr. Auch die sich zuspitzende politische Situation belastet den Künstler zunehmend, er hört Stimmen und wird von Wahnvorstellungen gequält ...

Der Roman ist in ganz wunderbarer Sprache ruhig erzählt und liest sich sehr flüssig. Wir tauchen ein in die beiden letzten gemeinsamen Jahre eines Paares, bei dem die Rollen klar verteilt sind. Während Kirchner sich ganz seiner Kunst widmet, hält Erna ihm den Rücken frei, kümmert sich um den Haushalt und alles Geschäftliche. Bereits vor ihrem Umzug von Berlin in die Schweiz war sie ihm eine unverzichtbare Mitarbeiterin.

Das Buch ist keine leichte Kost, es hat mich gefesselt und zutiefst berührt. Der damalige Zeitgeist ist hervorragend dargestellt, die Zeichnung der Charaktere authentisch und bildhaft. Der Künstler ist schwierig und egozentrisch, er behandelt Erna des Öfteren mit verletzender Herablassung und demütigt sie. Das Paar hat eine Abmachung, die besagt, dass "das Werk über allem steht", für Kirchner ist Erna in erster Linie eine Kameradin. Ich hatte oft Mitleid mit Erna, die nicht nur gegen ihre eigenen Depressionen kämpfte, sondern auch verzweifelt Kirchner zu retten versuchte.

Constantin Liebs beeindruckender Roman über Kunst und Liebe, Abhängigkeit und Verlust basiert auf über 3500 Briefen und Postkarten, Tagebüchern, Fotografien und auch den Werken Ernst Ludwig Kirchners. Ich habe die Geschichte, die die historischen Begebenheiten geschickt mit literarischer Fiktion verwebt, sehr gern gelesen und empfehle sie nicht nur Kunstinteressierten!