Beklemmendes Kammerspiel

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brigitteb Avatar

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1936, hoch über Davos: Der expressionistische Künstler Ernst Ludwig Kirchner lebt seit Jahren mit seiner Partnerin Erna Schilling in diesem abgeschiedenen Luftkurort. Während er von seiner immensen Schaffenskraft zehrt und viel Ruhm erntet, ist Erna die unsichtbare Kraft im Hintergrund. Sie ist es, die ihm bis zur Selbstaufgabe sein unabhängiges Künstlerleben überhaupt ermöglicht. Seit seiner Militärzeit im ersten Weltkrieg ist Kirchner psychisch krank und schwer abhängig von Morphium. Unzählige Aufenthalte in Sanatorien liegen hinter ihm, aber auch Erna leidet an schwerer Depression.

Wir betrachten eine verzweifelte Hassliebe, die diese zwei gestrandeten Seelen aneinander bindet. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als in Nazideutschland Kirchners Werke als entartet eingestuft und aus allen Museen und Galerien verbannt werden. Für den geächteten Künstler bricht die Welt endgültig zusammen und wir werden ohnmächtige Zeugen des Unausweichlichen.

Die Sogkraft dieses Romans ist einnehmend. Die wuchtige Natur und die Abgeschiedenheit wird für die Figuren zu einem erdrückenden Gefängnis. Wir sehen zwei Ertrinkende, die sich gegenseitig unter Wasser ziehen. Ebenfalls bedenklich ist die damalige Praxis, einen Suchtkranken und seine Partnerin grösstenteils sich selber zu überlassen, jedoch mit exorbitanten Mengen Betäubungsmittel zu versorgen.

War die Beziehung platonisch oder romantisch? War es irgendwann Liebe oder einfach nur eine Zweckgemeinschaft mit Co-Abhängigkeit? Wir wissen es nicht. Sicher aber eine toxische Beziehung, die auf einem markanten Ungleichgewicht gründete. Ich schätze es, dass der Autor nicht alle Fragen beantwortet, sondern dem Lesenden genügend Raum für eigene Interpretationen lässt. Mit der stillen Eindringlichkeit einer Doris Knecht hat der Autor in seinem gelungenen Debüt die passende Sprache gefunden, um diese Geschichte zu erzählen.