Der Mann hinter den Bildern und eine resiliente Frau
Obgleich beim Namen Ernst Ludwig Kirchner im Klappentext bei mir etwas klingelte, wurde mir erst während der Lektüre von Constantin Liebs „Wildboden“ klar, um wen es sich handelte und was für eine Geschichte hier erzählt wird.
Worum es geht, ist fix umrissen: Als sich Mitte der 1930er Jahre die Lage in Deutschland mehr und mehr verfinstert, kämpft Erna Schilling in Davos andere Kämpfe. Ihr Lebensgefährte Ernst Ludwig Kirchner verfällt, getrieben von seinen Dämonen, mehr und mehr dem Morphium. So verfinstert sich ihrer beider Leben parallel zum Gesehen in Deutschland. Als sie Kirchner verliert, ist sie gezwungen, ihr Leben neu auszurichten.
Mehr sei nicht verraten, weil es ohnehin recht wenig Handlung im eigentlichen Sinne gibt. Vielmehr wird hier erzählt, wie es einem ungewöhnlichen Paar in einer ungewöhnlichen Zeit ging – und das ist die neutrale Formulierung. Kirchners Werk gehörte zu den 1937 als entartet gekennzeichneten, weshalb man gut verstehen kann, dass der offenbar nicht einfache Kirchner unabhängig von ganz persönlichen Dämonen unter der Lage gelitten hat, auch wenn er inmitten der Berge bzw. der Natur saß. Auf deren Beschreibung verwendet Lieb viel Erzählraum, was der Geschichte nicht nur Atmosphäre, sondern auch Tiefe verleiht, sich manchmal aber auch ein wenig zieht, wenn man wissen will, wie Erna kämpft. Sie ist für mich der eigentliche „Erkenntnisgewinn“ der Geschichte: eine ungewöhnliche und starke Frau, die zwar auch ihre Dämonen hatte und neben dem einsam gelegenen Haus darunter litt, dass Kirchner sie in puncto Heirat hinhielt, aber damit besser klarkam. Oftmals wenn Geschichten auf realen Fakten beruhen, fragt man sich beim Lesen, wie viel der Autor „hinzuerfunden“ hat – nicht so bei Lieb: Er schreibt so ruhig, konzentriert sich auf Naturschilderungen, skizziert die Figuren eher bzw. lässt sie in Kirchnerschem Stil flächig, dass man ihm abnimmt, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Dazu passt sein sehr ruhiger und zugleich bildlicher Schreibstil, der sicher keine Krimileser anzieht, aber einen ganz eigenen Sog entfaltet und ausgezeichnet zum Thema Kunst – Künstler passt: Man sieht die „Verdüsterung“ bei Kirchner und Nazi-Deutschland – und ein Stückweit auch Erna, doch sie ist resilienter. Sollte ich mal wieder in die Gegend kommen, werde ich mich sicher an „Wildboden“ erinnern.
Worum es geht, ist fix umrissen: Als sich Mitte der 1930er Jahre die Lage in Deutschland mehr und mehr verfinstert, kämpft Erna Schilling in Davos andere Kämpfe. Ihr Lebensgefährte Ernst Ludwig Kirchner verfällt, getrieben von seinen Dämonen, mehr und mehr dem Morphium. So verfinstert sich ihrer beider Leben parallel zum Gesehen in Deutschland. Als sie Kirchner verliert, ist sie gezwungen, ihr Leben neu auszurichten.
Mehr sei nicht verraten, weil es ohnehin recht wenig Handlung im eigentlichen Sinne gibt. Vielmehr wird hier erzählt, wie es einem ungewöhnlichen Paar in einer ungewöhnlichen Zeit ging – und das ist die neutrale Formulierung. Kirchners Werk gehörte zu den 1937 als entartet gekennzeichneten, weshalb man gut verstehen kann, dass der offenbar nicht einfache Kirchner unabhängig von ganz persönlichen Dämonen unter der Lage gelitten hat, auch wenn er inmitten der Berge bzw. der Natur saß. Auf deren Beschreibung verwendet Lieb viel Erzählraum, was der Geschichte nicht nur Atmosphäre, sondern auch Tiefe verleiht, sich manchmal aber auch ein wenig zieht, wenn man wissen will, wie Erna kämpft. Sie ist für mich der eigentliche „Erkenntnisgewinn“ der Geschichte: eine ungewöhnliche und starke Frau, die zwar auch ihre Dämonen hatte und neben dem einsam gelegenen Haus darunter litt, dass Kirchner sie in puncto Heirat hinhielt, aber damit besser klarkam. Oftmals wenn Geschichten auf realen Fakten beruhen, fragt man sich beim Lesen, wie viel der Autor „hinzuerfunden“ hat – nicht so bei Lieb: Er schreibt so ruhig, konzentriert sich auf Naturschilderungen, skizziert die Figuren eher bzw. lässt sie in Kirchnerschem Stil flächig, dass man ihm abnimmt, dass es sich genau so zugetragen haben könnte. Dazu passt sein sehr ruhiger und zugleich bildlicher Schreibstil, der sicher keine Krimileser anzieht, aber einen ganz eigenen Sog entfaltet und ausgezeichnet zum Thema Kunst – Künstler passt: Man sieht die „Verdüsterung“ bei Kirchner und Nazi-Deutschland – und ein Stückweit auch Erna, doch sie ist resilienter. Sollte ich mal wieder in die Gegend kommen, werde ich mich sicher an „Wildboden“ erinnern.