Die Frau im Hintergrund

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westeraccum Avatar

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Auch im Fall des Malers und Bildhauers Ernst Ludwig Kirchner gab es eine Frau, die kaum bekannt ist, die aber dafür sorgte, dass Kirchner ein kreatives Leben führen konnte. Sie hieß Erna Schilling und das Paar hatte sich in Berlin kennengelernt. Erna hielt den Kontakt zu Galerien, besorgte Farben, Pinsel und was es sonst noch für ein Malerleben braucht, sie war die Frau im Hintergrund.
Als das Paar in die Schweiz zuerst nach Davos, dann in den Weiler Wildboden zieht, wird das Leben immer schwieriger. Beide haben starke psychische Probleme, Kirchner ist morphiumsüchtig, Erna depressiv. Dazu kommt der Druck von außen: Kirchners Werke werden von den Nazis als "entartet" eingestuft, aus den Museen entfernt und in der berüchtigten Ausstellung in München zur Schau gestellt.
Im Wildbodenhaus, dem Lebensmittelpunkt für viele Jahre, spielt auch dieses lesenswerte Buch. Die Situation wird immer unerträglicher, Kirchner behandelt Erna schlecht, aber sie muckt nicht auf. Schließlich ist der Maler so verzweifelt, dass er sich umbringt. Erna fällt in ein tiefes Loch, stellt sich aber der Aufgabe Kirchners Erbe zu bewahren.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt, ich habe es innerhalb von drei Tagen gelesen und gedanklich lässt es mich nicht los. Hätte Erna anders handeln können oder sogar müssen? Hätte es Hilfe gegeben?
Das Buch stellt Fragen, gibt aber keine Antworten, die müssen die Leser selbst finden.
Man sollte allerdings vor dem Lesen einige Informationen über Kirchner und seine Zeit haben, dann ist der Lesegenuss größer.