Die Künstlerklause
Ernst Ludwig Kirchner und seine Partnerin Erna Schilling leben zurückgezogen in den Schweizer Bergen, nahe bei Davos. Obwohl beide bereits längere Zeit im Haus Wildboden bei Frauenkirch wohnen und arbeiten, sind sie doch nur Fremde geblieben, von den Dorfbewohnern eher skeptisch beäugt. Wir schreiben die 30iger Jahre und der Nationalsozialismus umgibt auch die Schweiz bedrohlich. Kirchner erfährt die Ächtung seiner Werke, die in Hitlerdeutschland als entartete Kunst betitelt werden und somit auch an Wert verlieren. Ob diese Schmähung, diese Abwertung den Künstler Kirchner zum Morphium greifen lies oder bereits seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg dazu beitrugen, bleibt offen. Der Roman widmet sich vor allem der Perspektive seiner Lebenspartnerin Erna Schilling. Frau Schilling 'dient' ihrem Künstler und unterstützt ihn, erträgt aber auch seine Kapriolen und Stimmungen. Sie sehnt sich nach Berlin, um der Einsamkeit zu entkommen und fällt immer wieder in depressive Episoden. Der Roman gibt Einblick in das künstlerische Schaffen und ist zugleich soviel Fiktion, dass ein literarischer Roman entsteht, der mehr ist als nüchterne Dokumentation. Frau Schilling, der die Hochzeit mit Kirchner verwehrt wurde, bleibt ihm auch über den Tod hinaus treu. Es hätte mir gut gefallen, wenn im Anhang des Romans die Museen benannt wären, in denen mehrere von Kirchners Werken, seine Landschaften in den kräftigen Farben, seine Bilder zu betrachten sind.