Eine Liebe zwischen den Bergen, dem Wahnsinn und der Kunst

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maison.tania Avatar

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Wenn man wie ich schon lange ein Faible für Kunst hat, dann wartet man eigentlich immer auf ein Buch wie dieses. Constantin Lieb erzählt in seinem Debütroman "Wildboden" die Geschichte von Erna Schilling und dem Maler in den Schweizer Alpen, genauer gesagt in Frauenkirch bei Davos, im Jahr 1936. Und ich muss sagen, gerade als jemand, der sich für bildende Kunst begeistert, hat mich dieses Setting sofort in den Bann gezogen.
Was mir besonders gut gefällt, ist wie sehr der Ort selbst zu einer eigenen Figur wird. Die Berge, die wortkargen Bauern, die raue und gleichzeitig wunderschöne Natur, das alles ist bei Lieb nicht nur Kulisse, sondern trägt die ganze Geschichte mit. Man spürt förmlich diese eigenartige Mischung aus Zurückgezogenheit und Bedrohung, denn während Erna und Kirchner in ihrem abgeschiedenen Leben Halt suchen, wirft die politische Situation in Deutschland immer dunklere Schatten auf ihre Existenz.
Besonders berührt hat mich, wie ehrlich das Buch mit der Zerbrechlichkeit von Kirchner umgeht. Seine inneren Dämonen und seine Morphiumsucht werden nicht romantisiert, sondern als das gezeigt, was sie sind, eine ständige Zerreißprobe für die Frau an seiner Seite. Als Kunstliebhaberin finde ich es sehr spannend, wie Lieb hier offenbar nicht nur ein Künstlerporträt zeichnet, sondern vor allem Erna eine eigene Stimme und einen eigenen Kampf gibt. Sie ist am Ende diejenige, die nach dem Verlust des Mannes, der ihr Leben so lange bestimmt hat, ihre eigene Zukunft neu erfinden muss.
Man merkt dem Roman an, dass Constantin Lieb selbst eine persönliche Nähe zu Kirchners Kunst hat. Diese Verbindung spürt man in der Art, wie er Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwebt, ohne dass es konstruiert wirkt. Für alle, die sich für Kunstgeschichte begeistern und dabei auch die menschliche, oft schmerzhafte Seite hinter den großen Namen entdecken wollen, ist "Wildboden" ein lesenswertes Buch. Es ist genau die Art von literarischer Annäherung an Kunst, die weit über eine reine Biografie hinausgeht.