Historisch interessant und berührend

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lara2505 Avatar

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Der Debütroman "Wildboden", erschienen im Insel Verlag, geschrieben von Constantin Lieb, ist die Geschichte einer außergewöhnlichen toxischen Liebe einer sich vollkommen zurücknehmenden Frau zu einem egozentrischen, im tagtäglichen Zusammenleben unangenehmen Künstler, der zuerst im Ruhm dann im Absturz lebt, in einer noch dazu historisch schweren Zeit.

Das Cover im Stil des Malers gehalten, gefällt mir sehr gut, weist jedoch vorab nicht auf die Tiefen, welche diesem Roman innewohnen, hin.

Ernst Ludwig Kirchner, Maler des Expressionismus und seine Lebensgefährtin Schilling Erna leben abgeschieden in Davos in der Schweiz und kämpfen gegen verschiedenste Dämonen, Kirchner ist noch dazu schwer Morphium abhängig.
Der Erzählstil ist ein wenig eigen, ruhig, bildgewaltig, jedoch mit umso mehr Tiefgang.
In einer kraftvollen Sprache wird von Ernas schweren Depressionen und Kirchners Schaffenskraft und Ruhm sowie seinen selbstzerstörerischen Tendenzen erzählt, packend, beklemmend und den Leser nicht mehr loslassend.
Wir begleiten die beiden Hauptprotagonisten bei ihrer Hassliebe, inmitten gewaltiger Natur, die jedoch zunehmend erdrückend wird in ihrer Abgeschiedenheit.

Der Autor hat grossartige Recherchearbeit, entnommen aus Dokumenten, geleistet, entstanden ist ein autobiografisches Werk, welches - bewusst oder auch nicht - nicht alle Fragen, welche sich dem Leser stellen, beantwortet.

Ich gebe eine Leseempfehlung an alle, welche auch vor etwas schwererer Kost nicht zurückschrecken und Interesse an Politik und Kunst haben.