Keine neuen Blickwinkel, dafür wunderschöne Sprache

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honeyemi Avatar

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Wir begleiten in "Wildboden" den Künstler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebensgefährtin und Kameradin Erna Schilling zwischen 1936 und 1939. Große Teile der Handlung spielen in ihrem Haus in der Nähe von Davos, dem Wildboden. Beide sind psychisch angeschlagen. Während Erna mit Verstimmungen kämpft, wird Kirchners Medikamentenabhängigkeit immer schlimmer. Trotzdem fokussiert er sich auf seine Kunst und spannt Erna mit allerlei Aufgaben und seinem launischen Gemüt stark ein.
Im Hintergrund eskaliert die politische Lage in Deutschland, was beiden ebenfalls zu schaffen macht.
Leider konnte mich die Geschichte nicht so richtig erreichen. Erzählungen von männlichen Genies und deren Frauen im Hintergrund, die von ihnen ausgenutzt werden ohne irgendeine Form der Anerkennung zu erhalten, hat man schon so oft gehört und leider konnte mir dieses Buch darauf keine neuen Blickwinkel oder Gedanken-Anstöße eröffnen. Zudem hat Erna für mich in großen Teilen des Buches sehr zweidimensional gewirkt und wir haben nicht mehr über sie erfahren, als dass sie eigentlich viel lieber wieder in Deutschland wäre, für Kirchner aber in die Schweiz gezogen ist und dass sie sich wünscht, er würde sie genauso lieben, wie sie ihn. Auch zu Kirchner hat sich für mich leider keine emotionale Nähe eingestellt.
Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass der Schreibstil wunderschön ist und einen tollen Sog entwickelt.