ungewohntes Terrain

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eileen.3110 Avatar

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Mit Constantin Liebs „Wildboden“ habe ich mich auf ein Terrain gewagt, das abseits meiner gewohnten Lesepfade liegt. Normalerweise bin ich in weitläufigen Fantasy-Welten zu Hause, wo komplexe Magiesysteme, epische Schlachten und fortlaufende Buchreihen das Tempo vorgeben. Hier erwartet einen etwas völlig Anderes: ein ruhiges, historisches Charakterporträt über den Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebensgefährtin Erna Schilling im Schweizer Exil der 1930er-Jahre.
Was der Roman handwerklich liefert, ist wirklich stark. Lieb beschreibt den mentalen Verfall Kirchners, seine Morphiumsucht und die ständige Isolation extrem greifbar und ungeschönt. Ein echter Pluspunkt ist dabei Erna Schilling: Sie wird nicht bloß als Statistin an der Seite eines Künstlers gezeichnet, sondern als die treibende, tragende Kraft, die das Ganze überhaupt zusammenhält. Die Mischung aus fiktiver Erzählung und echten historischen Briefen verleiht der Geschichte viel Tiefe und Authentizität.
Trotzdem war die Lektüre für mich eine Herausforderung. Die Stimmung ist durchgehend beklemmend, düster und schwermütig. Wer eine dynamische Plotentwicklung oder einen spürbaren Zug nach vorne sucht, wird hier nicht fündig – das Buch konzentriert sich ganz auf das fragile Beziehungsgeflecht und die innere Isolation der Figuren.
Fazit:
„Wildboden“ ist ein intensiv geschriebener, atmosphärischer Roman mit stark gezeichneten Charakteren, auf dessen bedrückende Grundstimmung man sich allerdings einlassen muss. Für Liebhaber historischer Stoffe und intimer Porträts ein echter Tipp. Wer wie ich am liebsten in packende, bildgewaltige Reihen abtaucht, findet hier eine interessante, aber auch sehr schwere Abwechslung für zwischendurch.