Wo Liebe an ihre Grenzen kommt

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shilo Avatar

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Erna Schilling und Ernst Ludwig Kirchner leben 1936 zurückgezogen in Frauenkirch in den Schweizer Bergen. Während sich in Deutschland die politischen Verhältnisse verändern, bekommen auch Erna und Kirchner die Folgen davon zu spüren. Ihr Leben in Frauenkirch bleibt davon nicht verschont. Dazu kommen die Schwierigkeiten, die sie schon innerhalb ihrer Beziehung haben.
Erna liebt Kirchner und hält lange zu ihm. Seine Morphiumsucht und seine seelischen Schwierigkeiten bestimmen immer mehr ihren gemeinsamen Alltag. Beim Lesen war oft zu spüren, wie sehr Erna zwischen ihrer Liebe zu ihm und ihren eigenen Bedürfnissen steht. Sie möchte helfen und ihn nicht im Stich lassen, muss dabei aber immer wieder ihre eigenen Grenzen zurückstellen.
Seine Ängste und seine Morphiumsucht belasten das gemeinsame Leben immer mehr. Auch seine Art macht es Erna nicht leicht, mit ihm zusammenzuleben. Kirchner wird dabei nicht nur als Künstler gezeigt. Manche Situationen haben beim Lesen Unbehagen ausgelöst, weil deutlich wird, wie wenig Raum ihr selbst in dieser Beziehung bleibt.
Die Ruhe der Berge täuscht ein wenig darüber hinweg, was sich im Leben der beiden abspielt. Erna und Kirchner leben sehr zurückgezogen. Die Landschaft vermittelt zwar Ruhe und Weite, doch die Abgeschiedenheit wirkt manchmal auch beklemmend. Trotzdem dringen die Ereignisse aus Deutschland immer näher an sie heran und lassen sich irgendwann nicht mehr aus ihrem Alltag heraushalten.
Die politischen Veränderungen werden für Kirchner auch als Künstler zum Problem. Was in Deutschland geschieht, hat damit ganz konkrete Folgen für sein Leben. Diese Verbindung zwischen dem persönlichen Schicksal der beiden und der damaligen Zeit fand ich interessant.
Die Geschichte liest sich überwiegend ruhig. Einige Abschnitte brauchten etwas mehr Aufmerksamkeit, andere haben mich stärker erreicht. Vor allem Ernas Situation hat mich beschäftigt. Sie gibt lange sehr viel für einen anderen Menschen und muss irgendwann erkennen, dass auch ihr eigenes Leben weitergehen muss.
Der Verlust von Kirchner verändert vieles. Für Erna beginnt damit eine schwere Zeit, aber auch die Möglichkeit, wieder mehr an sich selbst zu denken. Dieser Teil der Geschichte hat mir gefallen, weil ihre Entwicklung dadurch nicht einfach mit der Trauer endet.
Wildboden verbindet das Leben von Erna und Kirchner mit der Geschichte dieser Zeit und mit der Welt der Kunst. Die Beziehung der beiden steht dabei klar im Mittelpunkt. Nicht alles hat mich gleichermaßen erreicht, manches blieb für mich etwas auf Abstand. Ernas Lebensweg und ihre schwierige Suche nach einem eigenen Weg haben mich jedoch bis zum Ende begleitet.
Für mich ist es ein ruhiger Roman, der eine ungewöhnliche Beziehung zeigt und dabei auch schwierige Seiten nicht ausspart. Die Geschichte hat mich stellenweise nachdenklich gemacht und vor allem Ernas Entwicklung fand ich interessant. 4 Sterne.