Tiefgründig und klug

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libby196 Avatar

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Caryl Lewis’ Roman Wilder Honig beginnt mit einem melancholisch-poetischen Sog, der sofort eine ganz eigene Atmosphäre schafft: leise, innig, trauernd – aber auch durchdrungen von der Kraft gelebten Lebens. Der Text erzählt vom Loslassen, vom Vergehen – aber auch von der Nähe zur Natur, zur Sprache und zur Liebe.

Ein zentrales Thema der Leseprobe ist der Zerfall der Sprache – auf individueller wie existenzieller Ebene. Der Ich-Erzähler verliert Worte, Bedeutungen, Zusammenhänge – und doch sind es gerade Worte, die das Fundament seiner Erinnerungen, seiner Liebe, seines Daseins bilden. Dieser Verlust zieht sich durch den Text wie ein leiser Faden der Entwurzelung.

Caryl Lewis schreibt mit einer poetischen Klarheit, die Gedanken und Stimmungen nicht erklärt, sondern erlebbar macht. Die Sprache ist detailverliebt, aber nicht überladen. Die Atmosphäre – besonders im Haus, im Nebel, im Garten – ist durchdrungen von einem subtilen Gefühl von Verlust, Würde und Erinnerung.