Rauhe See

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Der Roman knüpft an den ersten Roman von Caroline Wahl „22 Bahnen“ an. Aus dem kleinen Mädchen Ida ist mittlerweile eine junge Frau geworden. Ihre Schwester Tilda ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen als sie noch ein Kind war, und hat sie mit ihrer alkoholkranken Mutter zurückgelassen. Ida hat versucht ihr Leben zusammenzuhalten, doch als ihre Mutter ihrem eigenen Leben ein Ende bereitet, bricht auch für Ida alles zusammen. Sie flüchtet, will eigentlich zu ihrer Schwester Tilda, strandet aber auf Rügen, wo sie Halt bei einem älteren Ehepaar findet. Oft habe ich in Rezensionen gelesen, dass vielen dieses Buch noch besser gefallen hat als das erste. Bei mir ist es eher andersherum. Ich habe Tilda als starke Frau empfunden, die sich trotz aller Widerlichkeiten durch ihr Leben gekämpft hat. Ich war eher ziemlich entsetzt, was aus Ida geworden ist: eine zerstörte, traumatisierte junge Frau, schutzlos mit einer Situation allein gelassen, die zu groß für sie ist. Anders als bei Tilda habe ich mir Sorgen gemacht, dass sie es nicht überstehen wird. Und ich habe mich auch über Tilda geärgert, wie sie ihrer kleinen Schwester so etwas antun kann und selbst einen wahren Familientraum lebt. Ich fand diesen Roman eher deprimierend durch Idas destruktive Art. Und dann möchte ich auch noch thematisieren, was mich persönlich ziemlich angefasst hat. Zu allem Unglück muss auch noch eine der Protagonistinnen Metastasen bekommen. Ida setzt sich damit stark auseinander und googelt alles darüber. Ich bin selbst Betroffene, aber so etwas wie die Lebenserwartung zu googeln habe ich aus gutem Grund nie getan. Und folglich möchte ich es auch nicht schwarz-auf weiß in einem Roman lesen müssen, ohne darauf vorbereitet zu werden. Ich war nie überzeugt von Triggerwarnungen, habe jetzt aber zum ersten Mal selbst gemerkt, wie sinnvoll sie doch sein können. Oder wenigstens ein Wort darüber im Klappentext hätte ich gut gefunden. Im Allgemeinen hat mir der Roman gut gefallen und ich mag den Schreibstil von Caroline Wahl sehr. Dennoch hat mir der erste Teil besser gefallen.