Zwischen Verlust, Ostsee und Neuanfang

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
ceodaz Avatar

Von

Als Hörbuch hat mich Windstärke 17 vor allem durch die Sprecherin begeistert. Maximiliane Häcke passt mit ihrer ruhigen, eindringlichen Stimme perfekt zur melancholischen Grundstimmung der Geschichte. Sie transportiert Idas Gedanken und Gefühle so authentisch, dass es sich anfühlt, als würde Ida selbst ihre Geschichte erzählen.

Da ich die Vorgeschichte 22 Bahnen nicht gelesen habe, bin ich recht unvoreingenommen an das Hörbuch herangegangen. Für mich ließ sich Windstärke 17 sehr gut unabhängig hören. Bezüge zur Vergangenheit werden nachvollziehbar eingeordnet, ohne dass man das Gefühl hat, etwas Wichtiges zu verpassen oder verwirrt zurückzubleiben.

Die Handlung an sich hat mich sehr berührt – vor allem durch die dichte Melancholie, die über der gesamten Geschichte liegt. Trauer, Wut und Schuld sind jederzeit spürbar. Es war ergreifend, Ida auf ihrem Weg des Abschieds und des vorsichtigen Neuanfangs zu begleiten. Nicht jede ihrer Entscheidungen konnte ich vollständig nachvollziehen. Manche Verhaltensweisen wirkten auf mich etwas naiv, vor allem, wenn man ihren Hintergrund bedenkt.

Umso mehr haben mich die Menschen um Ida herum berührt. Knut, Marianne und Leif bringen Wärme, Alltag und Hoffnung in Idas Geschichte. Sie begegnen ihr mit Geduld und Offenheit, ohne sie verändern zu wollen. Hier hätte ich mir jedoch stellenweise noch etwas mehr Tiefe und Hintergrundinformationen zu den Nebenfiguren gewünscht, um sie noch intensiver kennenzulernen.

Fazit:
Windstärke 17 ist ein ruhiges, melancholisches Hörbuch über Trauer, Verlust und das langsame Wiederankommen im Leben. Getragen von einer großartigen Sprecherleistung entfaltet die Geschichte vor allem durch ihre Stimmung und Atmosphäre ihre Wirkung. Trotz kleiner Schwächen in der Figurenzeichnung bleibt ein nachdenkliches, warmes Hörerlebnis, das lange im Herzen nachklingt.